✎ Jodi Picoult - Ruth 1 Kleine große Schritte


Titel: Kleine große Schritte
Reihe: Ruth
Band: 1
Autor: Jodi Picoult
Übersetzer: Elfriede Peschel
Verlag: C.Bertelsmann
Ersterscheinung: 2017
Genre: Roman
gelesen als: eBook
Rezension vom: 25.10.17



Klappentext:

Jodi Picoult - bewegend wie nie

Ruth Jefferson ist eine äußerst erfahrene Säuglingsschwester. Doch als sie ein Neugeborenes versorgen will, wird ihr das von der Klinikleitung untersagt. Die Eltern wollen nicht, dass eine Afroamerikanerin ihren Sohn berührt. Als sie eines Tages allein auf der Station ist und das Kind eine schwere Krise erleidet, gerät Ruth in ein moralisches Dilemma: Darf sie sich der Anweisung widersetzen und dem Jungen helfen? Als sie sich dazu entschließt, ihrem Gewissen zu folgen, kommt jede Hilfe zu spät. Und Ruth wird angeklagt, schuld an seinem Tod zu sein. Es folgt ein nervenaufreibendes Verfahren, das vor allem eines offenbart: den unterschwelligen, alltäglichen Rassismus, der in unserer ach so aufgeklärten westlichen Welt noch lange nicht überwunden ist …



meine Meinung:

Mit Jodi Picoult habe ich nicht wirklich gute Erfahrungen gemacht. Meist waren mir ihre Schilderungen zu ausufernd und realitätsfern, sodass ich mit ihren Geschichten nicht wirklich etwas anfangen konnte, obwohl sie gute Themen wählt.

Da ich seit 2011 jedoch kein Buch der Autorin mehr in die Hand genommen habe und das vorliegende sehr interessant klang, gab ich ihr nochmals eine Chance.

Zuerst habe ich mich an der Kurzgeschichte 'Das Mädchen mit den roten Schuhen' versucht, welche die Vorgeschichte darstellt. Schon diese hat mir sehr gut gefallen, weil da wichtige Punkte angesprochen werden. Für mich ist sie jedoch nicht wichtig. Man kann sie auch weglassen.

'Kleine große Schritte' beginnt dann schon sehr gewaltig. Von Anfang an hatte mich die Geschichte in ihren Bann.

Die Schriftstellerin verwendet in diesem Roman einen leicht zu lesenden Schreibstil, der jedoch nicht plump daherkommt. Man kann super allem folgen und manche Bilder, die entstehen, prägten sich bei mir so sehr ein, dass ich sie die ganze Geschichte über mitnahm.

"[...] riss ihm den Kopf hoch und schlug ihn mit voller Wucht auf den Asphalt. [...]" (S. 167)

Das erinnerte mich zugleich an den Film 'American History X'. Ich habe ihn vor Jahr(zehnt)en gesehen und noch heute erinnere ich mich an ihn. Dieses Buch könnte genauso werden.

Die Figuren sind gut gewählt. Manch einer ist sicher geneigt, sich direkt auf eine Seite zu stellen. Ich persönlich war nicht so. Es gab an allen Charakteren etwas, das ich nicht mochte - und das machte sie menschlich für mich. Ich muss die Einstellungen der einzelnen Figuren nicht (immer) gutheißen, nicht immer tolerieren, akzeptieren, aber ich muss es so hinnehmen - genau wie im richtigen Leben. Man kann nicht mit allem einverstanden sein.

Anfangs hat mich ein wenig gestört, dass die gleiche Situation manchmal aus verschiedenen Perspektiven dargestellt wurde, man jedoch nichts, wirklich gar nichts Neues erfuhr. Die Autorin hat dies jedoch sehr schnell sein lassen, sodass es tatsächlich nur zu Beginn störend war.

Was mich sehr interessierte, für andere jedoch vielleicht zu viel sein könnte, sind die vielen medizinischen Begriffe, die verwendet und teilweise nicht erklärt wurden. Ich hatte mir viele Notizen dazu gemacht, um hinterher immer ein wenig zu forschen.

Mit 'Kleine große Schritte' hat Jodi Picoult mir gezeigt, dass sie es doch drauf hat. Dass sie weiß, wie man gute Geschichten schreibt, die das Leben erzählt, ohne auf Stilmittel zurückzugreifen, mit denen sich viele nicht identifizieren können. Kleine Schwächen machen das Buch nicht perfekt - aber nahezu.

Von mir gibt es an dieser Stelle eine ganz klare Leseempfehlung.

©2017 Mademoiselle Cake



weitere Zitate:

"»Vorurteile sind keine Einbahnstraße, wissen Sie.
Es gibt Menschen, die darunter leiden,
und es gibt Menschen, die davon profitieren. [...]«" (S. 406)

"»[...] Du musst ihnen zeigen, dass du kein schwarzes Mädchen bist. Du bist Ruth Brooks.«" (S. 54)

"»[...] Gleichheit bedeutet, jeden gleich zu behandeln.
Aber Gerechtigkeit berücksichtigt Unterschiede, sodass jeder eine Chance auf Erfolg hat.«" (S. 425)

"[...] damit sie mit eigenen Augen sah, dass Liebe nichts mit dem zu tun hat,
worauf man blickt, sondern es nur darum geht, wer darauf blickt." (S. 16)



..und das sagen andere:

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