✎ Hannah Brencher - Wenn du diesen Brief findest...


Titel: Wenn du diesen Brief findest...
Untertitel: Als ich einen Brief schrieb und tausende zurückbekam
Autor: Hannah Brencher
Verlag: Allegria
Ersterscheinung: 2016
Genre: Erfahrung
gelesen als: eBook
Rezension vom: 30.09.16







Klappentext:

Voller Enthusiasmus zog Hannah Brencher mit Anfang 20 nach New York. Schnell fand sie sich jedoch inmitten einer unpersönlichen Welt von gestressten Menschen wieder. Aus einem Impuls heraus begann Hannah, Briefe an Fremde zu schreiben. Adressiert mit »Wenn du diesen Brief findest - dann ist er für dich«, ließ sie sie überall in der Stadt und an öffentlichen Orten zurück. Als Hannah schließlich auf ihrem Blog anbot, handgeschriebene Nachrichten zu verschicken, nahm ihr Projekt eine ganz andere Dimension an. Über Nacht explodierte ihr Postfach förmlich mit Anfragen aus aller Welt.
Hannah Brencher hat eine innovative und doch einfache Methode gefunden, die Themen Miteinander und Sinn des Lebens ganz neu und erfolgreich aufzugreifen. Sie inspiriert mit ihrer Geschichte alle, die mehr Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe in ihr Leben bringen wollen.



meine Meinung:

Als ich das Buch damals entdeckte und den Klappentext gelesen hatte, war für mich - als (ehemalige) leidenschaftliche Briefeschreiberin - schnell klar, dass ich diese Zeilen unbedingt lesen möchte.

Schon die ersten Seiten haben mich dann auch direkt berührt, denn Hannah Brencher spricht wirklich immer zu den Menschen, die dieses Buch lesen oder die sie mit ihren Briefen erreichen wollte, und wenig von sich selbst.
Sie hat eine sehr poetische Sprache, die sie auch gekonnt einsetzt und damit oftmals mein Herz erreichte.

Je weiter ihre Geschichte jedoch fortschritt, desto weniger fühlte ich mich mit ihr verbunden.. Sie spricht viel von sich und ihrem Erlebtem, viel von Gott und ihrem Weg dorthin. Sie will keinen bekehren, aber durch das viele Gerede über sich selbst, rücken die Briefe, ihre "Mission", ein wenig in den Hintergrund.

Auch habe ich gedacht, dass man viel mehr Beispiele von Briefen (an sie) gezeigt bekommt, aber das war wohl nicht das Anliegen..

Nichtsdestotrotz öffnet die Autorin an einigen Stellen den Lesern die Augen. Man beginnt (noch mehr) über den eigenen Alltag nachzudenken. Man überlegt, wie man selbst Teil des Ganzen werden könnte. Man hält inne.

Ich habe zum Glück meine Menschen, mit denen ich regelmäßig kommuniziere - per Brief, per E-Mail, per Chat,.. - und wenn ich mich einsam fühle, dann weiß ich, wo ich mich hinwenden kann. Aber ich habe nun auch beschlossen, meine eigene kleine Aktion zu starten, die mir schon jahrelang im Kopf herumgeistert und sicher nicht neu ist, sondern sehr oft angewandt wird.

Hannah Brenchers Aktion sollte wirklich öfter umgesetzt werden - das muss ja nicht zwangsläufig immer einen Brief bedeuten.. und wenn man kein Typ dafür ist, dann sollte man doch wenigstens mal ganz bewusst in sich hineinhorchen, denn:

"Denn so banal die Frage »Wie geht's dir?« in unserem hektischen Alltag klingen mag,
sie kann für den Menschen, dem man sie stellt, alles bedeuten." (S. 10)

©2016 Mademoiselle Cake



weitere Zitate:

"Der Tag, an dem ich nach New York zog, [...] Ich sage, dass ich alles im Gepäck hatte, was ich an diesem Tag brauchte: Träumte verstaut neben Strickjacken, Wünsche versteckt in Gummistiefeln." (S. 16)

"Das Leben ist nur zu hektisch, um einfach mal innezuhalten und sich länger einer einzelnen Sache zu widmen." (S. 16)

"Wir können einem Menschen eine völlig andere Geschichte erzählen, wenn wir uns in den Schutz eines Blatt Papiers begeben. Wir können Dinge sagen, für die uns an anderer Stelle der Mut fehlen würde." (S. 21)

"Und dann musste ich an mich denken. [...] Und an die ganzen sozialen Medien, mit denen wir so viele gute Dinge anstellen könnten, aber stattdessen nutzen wir sie zum Jammern und Motzen und Unruhestiften." (S. 181)



..und das sagen andere:

buecheraendernleben

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2 commenti:

  1. Liebe Jane

    Das hast du wirklich schön geschrieben. Dieses Zitat ist so wahr und gefällt mir besonders gut: >>"Wir können einem Menschen eine völlig andere Geschichte erzählen, wenn wir uns in den Schutz eines Blatt Papiers begeben. Wir können Dinge sagen, für die uns an anderer Stelle der Mut fehlen würde." (S. 21)<<

    Liebe Grüße, Gisela

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    1. Danke für deine Worte, Gisela.

      Ich denke, das Zitat, welches dir am besten gefällt, kann man auf alle möglichen Lebenslagen anwenden. Oft fehlt(e) mir wirklich der Mut, einem Menschen von Angesicht zu Angesicht etwas zu sagen. Dann habe ich es aufgeschrieben und entweder demjenigen gegeben oder ihm dann doch gesagt. Ich finde nämlich, aufschreiben reflektiert erstmal. Manchmal sieht man die Dinge nach ein paar Stunden / Tagen dann ein wenig anders oder man ist bestärkt darin. Ich schreibe jedenfalls total gerne und es fällt mir wesentlich leichter, als mit fremden Personen zum Beispiel einen Erstkontakt aufzubauen. (auch wenn man sie über die Schreiberei vielleicht schon kennt ;))

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