Rezension: Maria Kerth - Ich war wach
Klappentext:
Bei einer Routineoperation wacht eine junge Krankenschwester während der Narkose auf.
Sie hört Stimmen, spürt Berührungen, erlebt die Operation bei vollem Bewusstsein - unfähig sich zu bewegen oder bemerkbar zu machen.
Was als medizinischer Albtraum beginnt, zerstört nach und nach ihr gesamtes Leben.
Panikattacken, Angst, Depressionen und verdrängte Erinnerungen aus der Kindheit brechen mit voller Wucht hervor.
Während sie gegen Ärzte, Gutachter und ein Krankenhaus kämpft, beginnt gleichzeitig eine viel tiefere Reise: die Suche nach der Wahrheit über sich selbst.
"ich war wach" ist die erschütternde autobiografische Geschichte einer Frau, die lernen muss, dass manche Wunden jahrelang verborgen bleiben - bis der Körper sich erinnert.
meine Meinung:
Ich wusste, dass „Ich war wach“ von Maria Kerth keine leichte Lektüre werden würde. Eine wahre Geschichte mit traumatischen Erfahrungen trifft selten weich. Diese Mischung hat bei mir von Anfang an eine gewisse innere Anspannung ausgelöst.
Die beschriebenen Ereignisse sind schonungslos ehrlich und zugleich grausam. Die Angst, bei Operationen etwas zu spüren oder gar aufzuwachen, hatte ich bei meinen eigenen auch immer - vor allem beim Kaiserschnitt. Solch ein Erlebnis hier nun schwarz auf weiß zu lesen, lässt die Angst natürlich nicht kleiner werden. Das Gefühl, ausgeliefert zu sein oder etwas nicht vollständig wahrzunehmen, bekommt durch solche Berichte eine neue Schärfe.
Während des Lesens habe ich stark mitgefühlt - während der OP, beim Gaslighting, bei den traumatischen Kindheitserfahrungen ...
Gleichzeitig blieb ein Bruch im Leseerlebnis.Es gab für mich zum Beispiel zu viele Wiederholungen.
Auch dass jeder Satz in einer neuen Zeile steht, fand ich ziemlich anstrengend zu lesen. Eine Unterteilung in Abschnitte hätte mich mehr abgeholt. In der vorliegenden Art fand ich es zu abgehakt. Ich kam in keinen richtigen Lesefluss.
Zudem hätte ich gerne noch in einem Nachwort erfahren, wie es heute aussieht.
Doch das, was mich am meisten geschockt hat, ist das, was von der Autorin über Depressionen gesagt wurde:
"Für mich waren Menschen mit Depressionen früher einfach nur schwach.
Oder faul.
Zumindest dachte ich das.
Wenn bei einer Aufnahme in der Krankengeschichte „Depression“ stand, war ich innerlich oft schon fertig mit dem Thema.
Schublade auf.
Mensch rein.
Heute schäme ich mich dafür.
Aber damals war ich einfach zu jung.
Zu naiv.
Zu unwissend darüber, was psychische Erkrankungen wirklich mit einem Menschen machen können." (48%)
Hat man darüber tatsächlich nichts in der Ausbildung gelernt? Geht man als Krankenschwester mit Krankheiten jeglicher Art nicht generell anders / offener um?
Das war richtig schwer für mich zu lesen und auszuhalten. Vielleicht auch deshalb, weil ich eine solche Haltung von jemandem aus diesem Berufsfeld nicht erwartet hätte.
Und dann habe ich wirklich nicht verstanden, wie man als Krankenschwester davon ausgehen kann, dass jeder Mensch in Überforderung automatisch dissoziiert.
"Dort setzte ich mich auf mein Bett und versuchte zu verstehen, was sie eigentlich gemeint hatte.
„Den Körper verlassen.“
Was sollte das heißen?
Machte das nicht jeder so?
Wenn Situationen zu viel wurden?
Einfach innerlich verschwinden.
Nichts mehr fühlen.
Sich wegdenken.
Mich hatte das mein ganzes Leben lang gerettet." (52%)
Am Ende bleibt ein ambivalenter Eindruck. Die Geschichte selbst ist unbestreitbar schwer und wichtig, weil sie Gewalt, Trauma und psychische Belastung sichtbar macht. Gleichzeitig hätten dem Buch ein paar Seiten mehr und ein Lektorat sicher gut getan.
©2026 Mademoiselle Cake
buchige Daten:
Titel: Ich war wach
Untertitel: Ich war wach. Ich habe überlebt. Jetzt erzähle ich.
Text: Maria Kerth
Verlag: Self-Publishing
Ersterscheinung: 2026
Genre: Erfahrungen
Rezension vom: 10.06.26

