Rezension: Ulla Schuh - Ich in 100 Teilen
Klappentext:
Manchmal führt der Weg zu dir über jemand anderen. Rike erfährt, dass ihr Vater nicht ihr leiblicher Vater ist. Gegen den Willen ihrer Mutter macht sie sich auf den Weg, ihn zu treffen. Begleitet von Nico, dem neuen Mitschüler. Nico, der ihr dieses Notizbuch schenkt. Nico, der vielleicht mehr als ein Freund ist.
Unterwegs beginnt Rike, das Puzzle ihres Lebens neu zu ordnen - Teil für Teil, Frage für Frage. In einer poetischen, verletzlichen und humorvollen Sprache schreibt sie sich Wort für Wort zu sich selbst.
meine Meinung:
Als ich „Ich in 100 Teilen“ von Ulla Schuh zur Hand nahm, war ich nicht annähernd darauf gefasst, was dieses Jugendbuch mit mir machen würde.
Anfangs war ich etwas irritiert. Der Aufbau erinnerte mich stark an „Die Sprache des Wassers“ von Sarah Crossan. Deshalb war ich gespannt, ob sich der Roman inhaltlich davon abheben würde.
Obwohl ich den Klappentext kannte, konnte ich nach den ersten Seiten noch nicht einschätzen, welchen Weg Rike gehen würde. Doch schon zu Beginn war spürbar, wie viele Emotionen in diesen wenigen Zeilen steckt.
Richtig umgehauen hat mich das Buch allerdings erst am Ende.
Auf Seite 101 heißt es:
„Mein ICH ist wie
ein Puzzle,
ein schwieriges,
eines mit 100 Teilen,
aber ich kann es nicht
zusammensetzen,
ich habe die
falschen
Steine.“
Dass ein Mensch in so jungen Jahren so über sich selbst denkt, hat mir das Herz gebrochen. Gleichzeitig konnte ich Rikes Selbstbild erschreckend gut nachvollziehen.
Beim Lesen begegnet man nicht nur dem, was auf den Seiten steht. Ulla Schuh legt so viele Emotionen, Zweifel und unausgesprochene Gedanken zwischen die Zeilen, dass ich immer wieder innehalten musste.
Für mich ist „Ich in 100 Teilen“ eine ganz besondere Coming-of-Age-Geschichte. Der Roman wird nicht klassisch erzählt, sondern entfaltet sich in Form von Tagebucheinträgen. Gerade diese Erzählweise hat dazu geführt, dass ich immer wieder kurz pausiert, einzelne Passagen noch einmal gelesen und über Rikes Worte nachgedacht habe.
Auch das Cover hat mich sofort angesprochen. Meine achtjährige Tochter hat direkt erkannt, dass das rosafarbene Band zum Schließen gedacht ist - und musste es natürlich sofort ausprobieren. Durch die Puzzleteile entsteht der Eindruck, dass sich das Bild Stück für Stück zusammensetzt. Nicht jedes Teil scheint zunächst seinen Platz zu finden. Genau dieses Motiv spiegelt sich in Rikes Zeilen wider.
Mir hat „Ich in 100 Teilen“ von Ulla Schuh deutlich mehr gegeben, als ich erwartet hätte. Mich hat der Jugendroman noch lange nach dem Lesen beschäftigt. Ich wünsche dem Buch viele junge Lesenden, die gerade selbst auf der Suche nach ihrer Identität sind oder sich einfach einen Menschen wie Nico an ihrer Seite wünschen.
©2026 Mademoiselle Cake
buchige Daten:
Titel: Ich in 100 Teilen
Text: Ulla Schuh
Verlag: Beltz & Gelberg
Ersterscheinung: 2026
Genre: Jugendroman / Coming-of-Age
Altersempfehlung: ab 14
Rezension vom: 10.07.26

