Rezension: Alina Bronsky - Und du kommst auch drin vor
Klappentext:
Eine Schullesung stellt das Leben der fünfzehnjährigen Kim auf den Kopf: Alles, was die Autorin da liest, scheint von Kim zu handeln und ihre Gedanken widerzuspiegeln. Doch leider geht die Geschichte eher tragisch aus. Will dieses Buch sie warnen - und wer bestimmt überhaupt, was in Wirklichkeit passiert? Beim Versuch, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, gerät Kim von einer wahnwitzigen Situation in die nächste ...
Die neue Alina Bronsky. Schräg. Witzig. Hintergründig. Und live aus dem Teenageralltag.
meine Meinung:
In „Und du kommst auch drin vor“ von Alina Bronsky begleiten wir Kim, eine Ich-Erzählerin, die fest davon überzeugt ist, dass jemand ein Buch über ihr Leben geschrieben hat - mit dem unausweichlichen Ergebnis, dass am Ende jemand sterben muss. Diese Grundidee klang für mich zunächst vielversprechend. Der Klappentext versprach eine »schräge, witzige und hintergründige Geschichte direkt aus dem Teenageralltag«. Genau mit dieser Erwartung bin ich an das Buch herangegangen. Was mich dann tatsächlich erwartet hat, war etwas völlig anderes.
Kim ist 15 Jahre alt, das Buch wird vom Verlag für Lesende ab etwa zwölf Jahren empfohlen. Dennoch fühlte sich weder ihre Sprache noch ihr Verhalten authentisch jugendlich an. Der Stil ist extrem einfach, teilweise fast schon banal, und die permanenten Wiederholungen ihrer Gedanken und Beobachtungen wirken nicht stilistisch gewollt, sondern schlicht ermüdend. Statt Nähe zur Figur aufzubauen, hat mich diese Ich-Erzählerin zunehmend auf Distanz gehalten. Ihre starke Ich-Bezogenheit mag realistisch gemeint sein, wurde für mich aber zur Belastung beim Lesen.
Der im Klappentext angekündigte Humor blieb für mich komplett unsichtbar. Ich habe kein einziges Mal gelacht. Was als schräg oder witzig verkauft wird, wirkte auf mich bemüht oder schlicht leer.
Auch die übrigen Figuren bleiben auffallend blass. Dabei wäre gerade im familiären und schulischen Umfeld viel Potenzial vorhanden gewesen. Statt Entwicklung gibt es Momentaufnahmen ohne Konsequenz. Die Charaktere bleiben Skizzen, keine Menschen, und genau so fühlen sich auch ihre Beziehungen an.
Am stärksten geärgert hat mich die Auflösung rund um den angekündigten Tod. Als klar wurde, worauf es hinausläuft, war ich nicht bewegt, sondern wütend. Die Parallelen zu einem sehr bekannten, zutiefst traurigen Film sind kaum zu übersehen. Statt dieser Thematik mit Ernst oder Sensibilität zu begegnen, wird sie in meinen Augen ins Lächerliche gezogen. Was emotional hätte treffen können, wirkte am Ende billig und respektlos gegenüber der eigenen Idee.
Die Handlung selbst empfand ich - ebenso wie die Figuren - größtenteils als unglaubhaft. Viele Entscheidungen erscheinen konstruiert, Konflikte entstehen und lösen sich ohne innere Logik. Der Plot trägt seine Themen nicht, sondern streift sie nur. Tiefe entsteht weder durch Sprache noch durch Handlung.
Unterm Strich hat mir dieses Buch nichts gegeben. Keine neuen Gedanken, keine emotionale Resonanz, keinen nachhaltigen Eindruck. Ich habe lange überlegt, wem ich „Und du kommst auch drin vor“ empfehlen könnte, und bin zu keinem Ergebnis gekommen. Für mich bleibt es eine vertane Chance mit einer interessanten Idee, die weder sprachlich noch inhaltlich ausgeschöpft wurde.
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Zitate:
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buchige Daten:
Titel: Und du kommst auch drin vor
Text: Alina Bronsky
Verlag: dtv
Ersterscheinung: 2017
Genre: Jugendroman
Altersempfehlung: ab 12
Rezension vom: 09.02.26
