Rezension: Marie Bernstein - Die Bücherfreundinnen 1 Ein neues Kapitel
Klappentext:
Zwischen Bücherregalen fühlt sich Aurora zu Hause. Kein Wunder, dass sie ihre Arbeit in der kleinen Buchhandlung "Buch & Blatt" so liebt - bis ihr Rückzugsort plötzlich vor der Pleite steht. Fest entschlossen schmiedet sie mit ihren Freundinnen einen Plan: Ein großes Bücherfestival soll neue Leserherzen anlocken und die Buchhandlung retten.
Doch der mürrische Bürgermeister stellt sich quer - und ausgerechnet sein attraktiver Sohn Lukas bietet Aurora seine Hilfe an! Wenn sie ihn im Gegenzug auf eine Hochzeit begleitet ... Während alle in den Vorbereitungen versinken, bringt Lukas Auroras Herz ordentlich aus dem Takt.
Zwischen Gefühlswirrwarr und Festivalchaos erkennt Aurora, dass es sich lohnt, für Herzensorte zu kämpfen - und für die Liebe.
meine Meinung:
Von „Die Bücherfreundinnen 1 Ein neues Kapitel“ habe ich mir einen gemütlichen Wohlfühlroman versprochen: eine charmante Kleinstadt, Bücherliebe, starke Freundschaften und eine Prise Romantik.
Leider stellte sich beim Lesen ziemlich schnell Ernüchterung ein.
Besonders neugierig war ich auf das Schweizer Setting. Romane, die dort spielen, lese ich eher selten, weshalb ich mich darauf gefreut hatte, einmal in eine andere Umgebung einzutauchen. Umso enttäuschender war ich, dass dieser Schauplatz für mich nie wirklich lebendig wurde.
Das lag vor allem an der sprachlichen Umsetzung. Immer wieder wurde ich aus der Geschichte gerissen, weil die schweizerische Identität des Romans auf mich merkwürdig künstlich wirkte. Wörter mit „ß“ haben dabei genauso ihren Teil beigetragen wie die ständigen Erklärungen schweizerischer Begriffe direkt im Text. Nach einiger Zeit fühlte ich mich weniger wie eine Leserin und mehr wie jemand, dem fortlaufend Vokabeln erklärt werden. Ein einfaches Glossar hätte das für meinen Geschmack deutlich eleganter gelöst.
Stattdessen findet sich im Anhang ein detaillierter Ablaufplan des Bücherfestivals. Ehrlich gesagt wusste ich nicht so recht, was ich damit anfangen sollte. Da hätte ich mir zusätzliche Informationen zu Sprache oder regionalen Besonderheiten deutlich lieber angesehen.
Verstärkt wurde mein Eindruck durch Begriffe, die nach meinem Wissen in der Schweiz so gar nicht verwendet werden. Besonders über das Wort „Bürgermeister“ bin ich gestolpert. Dass diese Bezeichnung dort unüblich ist, weiß ich zufällig von einer Schweizer Freundin. Solche Kleinigkeiten mögen manchen Lesenden egal sein, für mich machen sie jedoch einen großen Unterschied. Wenn ein Roman so stark über seinen Schauplatz definiert wird, erwarte ich auch ein gewisses Maß an sprachlicher Authentizität.
Leider konnte mich auch der Schreibstil nicht überzeugen. Statt durch die Seiten zu fliegen, habe ich mich stellenweise regelrecht durch das Buch gearbeitet. Viele Informationen werden mehrfach aufgegriffen, während Nebensächlichkeiten erstaunlich viel Raum bekommen. Vor allem die ausführlichen Beschreibungen von Äußerlichkeiten haben mich irgendwann ermüdet. Und nachdem Lukas' Augen gefühlt zum zwanzigsten Mal mit irgendetwas verglichen wurden, konnte ich selbst nur noch die Augen verdrehen.
Auch die Figuren konnten mich nicht wirklich erreichen. An manchen Stellen wirkten die Gedanken der Charaktere auf mich zu schlicht. Besonders bei Aurora hatte ich öfter das Gefühl, einer deutlich jüngeren Figur zuzuhören, obwohl sie als erwachsene Frau angelegt ist.
Ein Satz hat dieses Gefühl für mich besonders gut auf den Punkt gebracht:
„Trotz der seltsamen Stimmung zwischen uns spüre ich, dass ich rot werde. Oder ist es wegen der Sonne? Hm, die wird gerade von einer Wolke verdeckt, also nein.“
In solchen Momenten fiel es mir schwer, die Figur ernst zu nehmen. Mein erster Gedanke war: Aurora, du bist doch keine fünfzehn mehr!
Hinzu kommt, dass die romantische Entwicklung zwischen Aurora und Lukas für mich überhaupt nicht funktioniert hat. Zwischen den beiden fehlte mir jede spürbare Anziehungskraft. Lukas bleibt über weite Strecken distanziert, während Aurora häufig zögert und lieber abwartet, als aktiv zu werden. Dadurch entstand für mich weder Spannung noch das Gefühl, zwei Menschen beim Verlieben zu begleiten.
Der stärkste Aspekt des Romans war für mich die Freundschaft zwischen den drei Frauen. In diesen Szenen blitzte genau die Wärme auf, die ich mir von der gesamten Geschichte erhofft hatte. Hier konnte ich nachvollziehen, warum andere Leserinnen so gern Zeit mit diesen Figuren verbringen.
Trotzdem reicht dieser Pluspunkt für mich nicht aus, um die Schwächen auszugleichen. Am Ende blieb vor allem das Gefühl zurück, dass in der Geschichte deutlich mehr Potenzial gesteckt hätte. Gerade das Schweizer Setting hätte etwas Besonderes sein können, wirkte auf mich durch die sprachlichen Entscheidungen jedoch eher verwässert als authentisch.
Für mich war „Die Bücherfreundinnen 1 – Ein neues Kapitel“ deshalb leider eine Enttäuschung. Die Freundschaft der drei Frauen habe ich gern verfolgt, die eigentliche Geschichte konnte mich jedoch nicht überzeugen. Und wenn ich einen Roman lese, der ausdrücklich in der Schweiz angesiedelt ist, möchte ich am Ende auch das Gefühl haben, tatsächlich dort gewesen zu sein. Dieses Gefühl hat mir hier gefehlt.
©2026 Mademoiselle Cake
buchige Daten:
Titel: Ein neues Kapitel
Reihe: Die Bücherfreundinnen
Band: 1
Text: Marie Bernstein
Verlag: beHEARTBEAT
Ersterscheinung: 2026
Genre: Liebesroman
Rezension vom: 09.06.26
Reiheninformation:
2. Seitenweise Glück
3. Liebe zwischen den Zeilen
4. Worte fürs Herz
