Rezension: Matt de la Peña - Under Water
Klappentext:
ÜBERLEBEN IST ERST DER ANFANG...
Sonne, Meer, Mädchen in Bikinis - so schlimm wird der Ferienjob auf dem Luxuskreuzfahrtschiff schon nicht werden, denkt sich Shy. Aber dann erschüttert ein ungeheures Erdbeben Kalifornien und löst einen Tsunami aus. Shy gelingt es gerade noch sich in ein Rettungsboot zu hieven zusammen mit Addie, einer jungen Passagierin.Ohne Trinkwasser und Nahrung treiben sie auf dem Ozean. Haie umkreisen ihr Boot und riesige Monsterwellen, Ausläufer des Tsunamis, rasen auf sie zu. Doch das sind noch die geringsten ihrer Probleme...
meine Meinung:
Als ich zum ersten Mal „Under Water“ von Matt de la Peña in den Händen hielt, haben mich Klappentext und Cover in die Irre geführt. Ich rechnete mit einem harten Thriller für Erwachsene. Erst beim Lesen wurde deutlich, dass der Fokus auf dem 16-jährigen Shy liegt - auf seiner Verliebtheit, seinen familiären Konflikten und seiner persönlichen Entwicklung. Damit ist der Roman klar als Jugendthriller einzuordnen, geeignet für Lesende ab etwa 14 Jahren.
Sprachlich hat mich das Buch sofort überzeugt. Der Stil ist direkt, rhythmisch und entwickelt eine enorme Dynamik. Die Szenen wirken lebendig, fast wie Kamerafahrten. Ich bin förmlich durch die Seiten geflogen. Umso deutlicher fiel für mich der Kontrast zur Handlung aus, die mit dieser erzählerischen Stärke nicht Schritt halten konnte.
Ausgangspunkt ist ein schweres Erdbeben vor der Küste Kaliforniens, das einen gewaltigen Tsunami auslöst und ein Schiff nahezu vollständig zerstört. Dieses Katastrophenszenario bildet die Bühne für Shys Überlebenskampf. Dass es nach einer solchen Verwüstung überhaupt Gerettete gibt, wirkt bereits konstruiert. Im weiteren Verlauf steigert sich dieser Eindruck: Shy wird mehrfach bewusstlos, prallt gegen Trümmer, kämpft sich dennoch immer wieder zurück ins Geschehen. Auf einem notdürftigen Floß trotzt er gemeinsam mit einer weiteren Figur meterhohen Wellen. Die permanente Eskalation der Gefahren nimmt der Geschichte an Glaubwürdigkeit. Die Inszenierung erinnert weniger an einen psychologisch dichten Thriller als an einen auf Effekt getrimmten Actionfilm.
Gerade dadurch gerät ein eigentlich spannender Aspekt ins Hintertreffen: die sogenannte Romero-Krankheit. Diese fiktive Erkrankung wird zunächst nur angedeutet und weckt Neugier, weil sie sich nicht außerhalb des Romans einordnen lässt. Die Informationshäppchen, die nach und nach preisgegeben werden, sind durchaus interessant. Doch zwischen Naturkatastrophe, Liebesgeschichte und gesellschaftlichen Konflikten verliert dieses Motiv an Gewicht. Statt als zentrales Element ausgearbeitet zu werden, bleibt es Beiwerk. Eine stärkere Fokussierung auf dieses Thema hätte dem Roman mehr inhaltliche Tiefe und Profil verliehen.
Bei der Recherche stieß ich darauf, dass im englischsprachigen Raum eine Fortsetzung existiert, die nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Das erklärt möglicherweise, warum manche Handlungsstränge offen oder nur angerissen wirken. Zudem findet sich auf der Website des dtv kein Hinweis mehr auf diesen Titel, dass er aus dem Programm verschwunden ist.
Trotz meiner deutlichen Kritik an der Konstruktion bleibt mein Eindruck vom erzählerischen Können des Autors positiv. Matt de la Peña versteht es, Tempo zu erzeugen und jugendliche Perspektiven authentisch darzustellen. Wer eine temporeiche, spektakuläre Überlebensgeschichte sucht, wird hier vermutlich gut unterhalten. Für mich überwog jedoch das Gefühl, dass visuelle Effekte über inhaltlicher Substanz standen.
©2026 Mademoiselle Cake
buchige Daten:
Titel: Under Water
Text: Matt de la Peña
Übersetzung: Bettina Münch
Verlag: dtv
Ersterscheinung: 2016
Genre: Jugendthriller
Altersempfehlung: ab 14
Rezension vom: 27.02.26
