Rezension: N.R. Walker - Upside Down: Die Welt steht Kopf
Klappentext:
Jordan O’Neill hat genug von Schubladen. Als schüchterner Bibliothekar fühlt er sich ohnehin schon oft fehl am Platz. Doch als ihm klar wird, dass das Label "asexuell" vieles in seinem Leben erklärt, gerät seine sorgfältig sortierte Welt aus den Fugen.
Hennessy Lang weiß längst, wer er ist. Nach einer Trennung und einigen gescheiterten Beziehungen steht er offen zu seiner Asexualität - und gründet in Surry Hills eine neue Selbsthilfegruppe. Dort begegnet er Jordan, der noch nach Antworten sucht und nicht weiß, wo er hingehört.
Zwischen vorsichtiger Nähe, leisen Gesprächen und großen Fragen versucht Hennessy, Jordan zu zeigen, dass sich sein Leben vielleicht nicht auf den Kopf gestellt hat - sondern endlich richtig herum steht …
meine Meinung:
Vor fast genau zwei Jahren habe ich mit „Loveless“ mein erstes Buch gelesen, welches sich ganz bewusst mit Asexualität und Aromantik auseinandersetzt. Damals kannte ich zwar die meisten Buchstaben aus LGBTQIAP+, aber das A war für mich noch weitgehend unentdecktes Terrain. Umso besonderer war es, einen Roman zu entdecken, der genau diesen Teil queerer Identität in den Mittelpunkt stellt.
Als ich dann „Upside Down - Die Welt steht Kopf“ entdeckt habe, war meine Freude entsprechend groß. Bücher über das asexuelle Spektrum sind noch immer selten. Dabei ist das Thema wichtiger, als viele denken. In einer Welt, in der Sexualität allgegenwärtig ist und oft als selbstverständlicher Bestandteil jeder Liebesbeziehung dargestellt wird, fühlen sich viele Ace-Menschen schnell unsichtbar. Genau deshalb sind Geschichten wie diese so wichtig.
Dass mich dieses Buch so berührt hat, liegt auch daran, wie eng es mit der Lebensrealität von N. R. Walker verknüpft ist. In einem Gastbeitrag auf Love Bytes Reviews schreibt sie: „This book is my story.“ Walker beschreibt sich selbst als gray-asexuell und erklärt, dass deutlich mehr von ihr in Jordan steckt, als ihr zunächst bewusst war. Dieses Wissen verleiht dem Roman eine besondere Ehrlichkeit. Man spürt in jeder Szene, dass hier jemand schreibt, der aus eigener Erfahrung schöpft. Own-Voice-Geschichten wie diese sind wertvoll und werden dringend gebraucht.
Jordan und Hennessy könnten unterschiedlicher kaum sein, und gerade das macht ihren gemeinsamen Weg so reizvoll. Jordan ist unsicher, grübelt viel und versucht noch herauszufinden, wo sein Platz ist. Hennessy ruht längst in sich selbst. Er begegnet Jordan mit Geduld, Wärme und einem tiefen Verständnis. Zusammen ergeben die beiden ein Paar, das sich nicht durch große Dramen, sondern durch leise Zwischentöne ins Herz schleicht.
Besonders gelungen fand ich, dass sich ihre Beziehung ganz ohne Hektik entwickelt. Nichts wirkt konstruiert oder überstürzt. Stattdessen begleitet man Jordan Schritt für Schritt bei seiner Selbstfindung. Diese ruhige Erzählweise macht den Roman unglaublich authentisch und gibt den emotionalen Momenten viel Raum.
Auch das Umfeld der beiden bleibt in Erinnerung. Die Freundeskreise von Jordan und Hennessy sowie die Suppentruppe fühlen sich lebendig und echt an. Obwohl die Nebenfiguren nicht ständig im Mittelpunkt stehen, besitzen sie Persönlichkeit und tragen viel zur besonderen Atmosphäre des Romans bei. Dazu kommt ein trockener Humor, der mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht und die ernsteren Themen wunderbar ausbalanciert hat.
Das Hörbuch gewinnt zusätzlich durch die Sprecher Felix Graf und Leonard Hohm. Beide verleihen den Figuren eine eigene Stimme und transportieren Unsicherheiten, Wärme und die feinen emotionalen Nuancen auf eine Weise, die das Zuhören zu einem echten Erlebnis macht.
Ein kleiner Kritikpunkt jedoch war für mich Jordans Vorliebe für ein bestimmtes Schimpfwort, das sehr häufig verwendet wird. Da ich mit solchen Ausdrücken wenig anfangen kann, hat mich das stellenweise aus dem Hörfluss gerissen. Manche Dialoge wirkten auf mich zudem etwas zu erklärend; hier hätte ich mir an einigen Stellen mehr Subtilität gewünscht. Wirklich ins Gewicht fällt das jedoch kaum, weil der Roman insgesamt so viel Herz besitzt.
„Upside Down: Die Welt steht Kopf“ ist ein berührender Gay-Romance-Roman über Selbstakzeptanz, Identität und die Erkenntnis, dass Liebe keinem gesellschaftlichen Standard entsprechen muss, um vollkommen zu sein. Dieses Buch schenkt Sichtbarkeit, macht Mut und erinnert daran, wie wichtig Repräsentation in der Literatur ist. Für mich war es ein leiser, ehrlicher Roman, der noch lange in mir nachhallt.
©2026 Mademoiselle Cake
buchige Daten:
Titel: Upside Down
Untertitel: Die Welt steht Kopf
Text: N. R. Walker
Übersetzung: Christopher Bischoff
Stimmen: Felix Graf & Leonard Hohm
Verlag: Rainbow Romance
Ersterscheinung: 2026
Genre: Liebesroman LGBTQIAP+
Altersempfehlung: ab 16
Rezension vom: 15.05.26
