­čôÜ Sabine stellt vor: Jakobs Mantel



Letzte Woche hatte BlaueLotusbluete uns eine romantische Liebesgeschichte vorgestellt. In Woche 30 unseres Projekts "vergessene Sch├Ątze" stellt euch Sabine einen weiteren ihrer Sch├Ątze vor:
Klappentext:

New York 2009. Eines Tages w├Ąhrend eines Spaziergangs mit seinem Enkel, glaubt der alte Mika auf einem Plakat den Mantel seines Gro├čvaters Jakob zu sehen. Mit dem Mantel kehrt die Erinnerung an seine Kindheit zur├╝ck, an die lange verdr├Ąngten Schrecken des Warschauer Ghettos und an seine Rettung.



Sabines Meinung:

Ich bin durch das tolle Cover auf das Buch aufmerksam geworden – ich finde es sehr atmosph├Ąrisch und es passt richtig gut zur Geschichte. Und da ich gerne B├╝cher lese, in denen es um die Judenverfolgung und den zweiten Weltkrieg geht, musste ich dieses nat├╝rlich lesen. Und ich wurde nicht entt├Ąuscht – ganz im Gegenteil – meine Erwartungen wurden ├╝bertroffen.
Es ist die Lebensgeschichte eines j├╝dischen Mannes, der in seiner Kindheit das Leid und die Angst, den Hunger und die Not in einem Warschauer Ghetto miterleben musste, der aber das Puppenspiel beherrschte und damit anderen Menschen – ob jung oder alt – Hoffnung geschenkt hat und auch das eine oder andere L├Ącheln entlocken konnte. Dass er auch f├╝r die Deutschen spielen musste, hat ihn dabei sehr belastet, ihm aber auch erm├Âglicht, im Untergrund aktiv zu werden.

Doch es ist nicht nur die Geschichte von Mika, dem Puppenspieler, es geht auch um einen deutschen Soldaten, Max, der zwar seine Befehle befolgt, der aber mit seiner Schuld nicht umzugehen wei├č und schlie├člich an ihr zu zerbrechen droht. 

Mir hat die Verkn├╝pfung dieser beiden Lebensgeschichten sehr gut gefallen und gerade auch, Einblick in die Gedanken der T├Ąter zu erhalten, fand ich sehr interessant und war f├╝r mich in diesem Ma├če neu. Die Art, wie die beiden Handlungsstr├Ąnge miteinander verwoben sind und wie dann zum Schluss die F├Ąden zusammenlaufen, fand ich zwar gut gel├Âst, am Ende aber vielleicht ein bisschen ├╝berzogen – dennoch war auch ich ber├╝hrt von der Geschichte und habe das Buch mit einem hoffnungsvollen Gef├╝hl im Bauch zugeschlagen.

Die Geschichte liest sich sehr fl├╝ssig und angenehm, was zum einen an dem bildreichen und gef├╝hlvollen Schreibstil liegt, der eine ganz eigene, zur Geschichte passende Atmosph├Ąre schafft, zum anderen aber auch an der Sogwirkung, die das Buch auf mich ausgel├Âst hat. Die Geschichte hat mich einfach gefesselt, ich wollte wissen, wie es weitergeht und konnte daher das Buch kaum aus der Hand legen.

Die Charaktere sind toll gezeichnet, allen voran nat├╝rlich Mika und Max. Selten habe ich so viel Einblicke in die Gedanken und Gef├╝hle von Protagonisten erhalten, wie bei diesen beiden. Ich habe mit ihnen gef├╝hlt und gelitten, geliebt und gefiebert. Und stets habe ich die geheimen Helden der Geschichte, die Puppen von Mika, vor Augen gehabt, habe deren Entstehung miterleben d├╝rfen und durch die detailverliebten Beschreibungen sie fast als lebendig empfunden. 

Auch wenn der Titel „Jakobs Mantel“ sehr passend gew├Ąhlt wurde – denn in dem Mantel waren immer alle Puppen Mikas versteckt und er war ein wertvolles Erbst├╝ck seines verstorbenen Gro├čvaters Jakob – gef├Ąllt mir der Originaltitel „The Puppet Boy of Wasaw“ doch besser, denn er stellt Mika und das, was er tut mehr, mehr in den Mittelpunkt und legt das Augenmerk mehr auf die Puppen, die in dem Roman eine gro├če Rolle spielen.

Die Geschichte selber ist erfunden, dennoch aber ist sie glaubhaft und k├Ânnte genau so passiert sein. Toll ist aber, wie die Autorin Wahrheit und Fiktion miteinander verkn├╝pft hat, wie sie ihre Geschichte in historische Fakten eingebettet hat und wie sie verschiedene historische Pers├Ânlichkeiten hat aufleben lassen. Ein tolles Buch, das ich jedem nur empfehlen und ans Herz legen kann!

Mein Fazit
Ein tolle Geschichte ├╝ber einen j├╝dischen Jungen, der mit seinem Puppenspiel im Warschauer Ghetto Hoffnung schenkt und sich schlie├člich dem Widerstand anschlie├čt; ein Buch aber auch ├╝ber die nationalsozialistischen T├Ąter, ihre Schuld und ihrem Weiterleben mit genau dieser. Eine eindringliche Geschichte, die fesselt und ber├╝hrt und vor allem durch tolle und sehr gut gezeichnete Charaktere ├╝berzeugen kann, dabei aber angenehm und fl├╝ssig lesbar bleibt. Von mir 5/5 Sternen.

©2015



Meinungen von anderen Lesern:




Na, was meint ihr?
Habt ihr das Buch schon gelesen? (hinterlasst doch einen Link zu eurer Rezension und ich verlinke auch euch)
- Empfindet ihr genauso?
- Habt ihr eher eine andere Meinung davon?
- Wandert das Buch direkt auf eure Wunschliste?
- Liegt es gar schon auf dem SuB?

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