📚 Janine stellt vor: Tabor SĂŒden 2 German Angs


Letzte Woche hat Sabine euch "ein emotionales, außergewöhnliches und eindrucksvolles Werk" vorgestellt. In Woche 61 unseres Projekts "vergessene SchĂ€tze" stellt euch erneut Janine einen ihrer SchĂ€tze vor:
Zusammenfassung:

Die 14-jĂ€hrige (dunkelhĂ€utige) Lucy Arano ist außer Rand und Band. Christoph Arano, ein seit ĂŒber 30 Jahren in Deutschland lebender Nigerianer, hat seine Tochter nicht (mehr) im Griff. Lucy ist hochgradig gewalttĂ€tig und kriminell, ein MĂ€dchen eben, vor dem man zittert, weil sie ein unberechenbares Verhalten an den Tag legt.
Eine rechtsradikale Gruppe möchte dabei nicht lĂ€nger zusehen und plant eine erzwungene Abschiebung von Vater und Tochter, die ja in ihren Augen AuslĂ€nder sind und sich das Recht, in Deutschland leben zu dĂŒrfen, verwirkt haben. Also entfĂŒhrt die Aktion D, wie sich die Gruppe nennt, Natalia Horn, die deutsche Verlobte von Christoph Arano und erpresst die Behörden mit der Forderung, die beiden unverzĂŒglich auszuweisen, andernfalls wird Natalia Horn getötet ...



Janines Meinung:

EntfĂŒhrung, Erpressung und Abschiebung - spannender Krimi-Lesestoff!

German Angst ist der zweite Band mit Tabor SĂŒden und gleichzeitig schon mein achtes Buch von Friedrich Ani. Hier ist SĂŒden zwar nicht unbedingt in der Hauptrolle, aber er nimmt dennoch einen wichtigen Part ein.

ErzĂ€hlt wird das Ganze aus einer alles ĂŒberblickenden Sicht. - Manchmal finde ich so etwas nicht besonders gut, da ich mich in so einem Fall in keinen Buchcharakter richtig einfĂŒhlen kann, hier hat es mich aber ĂŒberhaupt nicht gestört, da die Handlung die meiste Zeit sowieso ziemlich fesselnd und spannend war. Auch die GesprĂ€che, die direkten Reden und die erzĂ€hlenden Phasen haben sich fĂŒr mein GefĂŒhl immer optimal abgewechselt, sodass mir eines davon nie zu viel geworden ist.
Hinzu kommt Anis ganz eigener Schreibstil, der absoluten Wiedererkennungswert hat und den ich mittlerweile so sehr liebe. Ani schreibt direkt, manchmal in sehr kurzen, dann wieder in sehr langen SÀtzen, manchmal findet sich auch die eine oder andere interessante Wortschöpfung im Text, aber vor allem sind es die Protagonisten, die Ani so reden lÀsst, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.

"Jetzt mandelnS Eahna net so, Sie Polyp. Ich war net in dem Taxi
und basta. Ich war den ganzen Tag hier, fragenS mei Oide, die
bestÀtigt Eahna des. San Sie net ganz sauba? I fahr niemand
zamm, i kann nÀmlich Auto fahren, und Kinder fahr i schon von
Haus aus net zamm. Kapiert? Alles klar? Und wiederschaun."
(S. 75)

Tabor SĂŒden ist wie immer der einsiedlerisch lebende, komische Kauz, der nach seinen ganz persönlichen Methoden ermittelt - ganz egal, was seine Kollegen oder Vorgesetzten dazu sagen. Ich hatte das GefĂŒhl, dass SĂŒden sich mit Lucy identifizieren konnte, dass er ihr deswegen enormes VerstĂ€ndnis entgegen gebracht und ihr helfen wollte, weil er selbst genau wusste, was es fĂŒr Schmerzen hervorruft, seine Mutter in der Kindheit zu verlieren.
Hin und wieder musste ich wegen Tabor SĂŒdens typisch eigenartigem Verhalten wirklich schmunzeln. So hat er zum Beispiel Lucy einmal brĂŒllend eine Standpauke gehalten und wĂ€hrenddessen (um sie nicht zu verletzen, wie er sagt) ist er einen Schritt zur Seite gegangen, um auf die Wand schauend weiterzubrĂŒllen, bis er geendigt hat. - Oder: Lucy zeigt SĂŒden in einer anderen Szene die Zunge und er packt diese dann einfach ganz flink und hĂ€lt sie eine Weile zwischen seinen Fingern fest. - Man kann sich denken, wie perplex das MĂ€dchen jedes Mal war, wenn SĂŒden derart unerwartete Dinge getan hat. ;)

Wegen der EntfĂŒhrung Natalia Horns und der Forderung, die damit verbunden ist, gibt es natĂŒrlich einen enormen Medienrummel, Pressekonferenzen, Interviews, auch eine wirklich lĂ€stige Reporterin - und das Feeling, das dadurch beim Lesen bei mir entstanden ist, hat mich an richtig gute Filme erinnert. Ich finde ja, dass dieses Buch eine Verfilmung wert ist!

Als Leser kann man sich mit dieser LektĂŒre, wenn man sich ĂŒber die Daseinsberechtigung von AuslĂ€ndern noch nie tiefergehende Gedanken gemacht hat, eine Meinung bilden und sich vor allem ein Bild davon machen, wie vorurteilbehaftet die Gesellschaft leider Gottes (immer wieder, oder immer noch?) ist, wenn es um Nichteinheimische geht, vor allem, wenn diese auch noch dunkelhĂ€utig sind.

"Wir sind eben so, wir trĂ€umen von der Überwindung aller
Grenzen und errichten gleichzeitig stÀndig neue Grenzen."
(S. 259)

Dieser Krimi ist, obwohl bereits 2000 erstmals erschienen, thematisch immer noch hochaktuell und deswegen absolut lesenswert. In meinen Augen ist es nicht von Nöten Teil eins der Reihe zu kennen, da auch kaum (fĂŒr den aktuellen Fall) wichtige BezĂŒge hergestellt werden.

Über interessante Thematiken lĂ€sst sich natĂŒrlich streiten, aber Spannung ist hier dennoch in jedem Fall garantiert und mit Tabor SĂŒden hat man in diesem Buch einen Protagonisten, den man so schnell nicht wieder vergisst.


Weitere Buchzitate
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~ "Wenn du keinen Respekt von den anderen kriegst, hast du verloren." ~ (S. 177)

~ "Sie wollen mich kaputtmachen. Aber das schaffen Sie nicht. 
Das schafft niemand. Das schaff nur ich selber." ~ (S. 198)

~ "Irgendwann sollte man sein Leben einigermaßen auf die Reihe kriegen und nicht 
andere ewig dafĂŒr bĂŒĂŸen lassen, dass man nicht klarkommt mit sich." ~ (S. 216) 

~ "Alles wie immer", sagte Sonja. "Lauter Nachbarn, die alles wissen und nichts sehen." ~ (S. 228)

~ >Intellektuelle sind freundlich zum Fremden, nicht um des Fremden willen, sondern weil 
sie grimmig sind gegen das Unsere und alles grĂŒĂŸen, was es zerstört.< (Heinz Nawratil) ~ (S. 299)

©2015



Meinungen von anderen Lesern:




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Habt ihr das Buch schon gelesen? (hinterlasst doch einen Link zu eurer Rezension und ich verlinke auch euch)
- Empfindet ihr genauso?
- Habt ihr eher eine andere Meinung davon?
- Wandert das Buch direkt auf eure Wunschliste?
- Liegt es gar schon auf dem SuB?

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