📚 Sabine stellt vor: Das Lachen und der Tod


Letzte Woche hat Janine "ein absolutes Weiterempfehlungs-Buch" vorgestellt. In Woche 51 unseres Projekts "vergessene SchĂ€tze" stellt euch Sabine einen weiteren ihrer SchĂ€tze vor:
Inhalt:

Der niederlĂ€ndische Komiker Ernst Hoffmann wird 1944 in einem Viehwaggon mit anderen Verfolgten in ein Konzentrationslager in Polen gebracht. Um seine Mitgefangenen vor der endgĂŒltigen Verzweiflung zu bewahren, unterhĂ€lt er sie abends mit Witzen. Als der deutsche Lagerkommandant davon erfĂ€hrt, will er Hoffmann dazu bringen, vor den SS-Leuten als Kabarettist aufzutreten. Erst weigert sich der Komiker, doch dann verspricht ihm der Lagerkommandant, eine bestimmte Frau am Leben zu lassen …



Sabines Meinung:

Viele gute Rezensionen hatte ich zu diesem Buch gelesen, so dass ich neugierig war auf die Geschichte – und trotz der vielen guten Stimmen war ich skeptisch, wie es gelingen soll, Humor und Lachen mit dem Thema Tod und KZ zu verknĂŒpfen. Und ich bin begeistert, wie der Autor diese Gratwanderung geschafft hat.

Das Buch ist keine leichte Kost, und oft musste ich innehalten, um Gelesenes sacken zu lassen. Schonungslos und ehrlich schildert Pieter Webeling die LebensumstĂ€nde der Gefangenen im KZ, den grausamen Alltag in diesem unfassbaren und unvorstellbaren Leid, den unglaublichen Schmerz und Hunger und den tĂ€glichen Kampf ums pure Überleben. Dabei ist die Geschichte nicht reißerisch aufgemacht, sondern ehrlich und glaubhaft, vor allem aber respektvoll den Gefangenen gegenĂŒber.

In dieses Elend gerĂ€t der niederlĂ€ndische Komiker Ernst Hoffmann, der zunĂ€chst genau wie alle anderen versucht zu ĂŒberleben. Doch schon bald erkennt er, wie wichtig Hoffnung ist, das nur sie die Menschen ĂŒberleben lĂ€sst und beginnt, das zu tun, was er am besten kann – nĂ€mlich seinen Mitgefangenen Witze zu erzĂ€hlen.

Ein schwieriges Thema. In einem solch grausamen Szenario, Witze zu erzĂ€hlen, diese durchaus sarkastisch und zynisch, und damit die Mitgefangenen zum Lachen zu bringen, erscheint zunĂ€chst geschmacklos – schon bald aber merkt man beim Lesen, dass es das gar nicht ist – ganz im Gegenteil. Jedes Glitzern in den abgestumpften Augen macht Mut, jedes Lachen befreit und gibt wieder Hoffnung und Zuversicht, das Ganze doch irgendwie ĂŒberleben zu können. Ich finde, der Autor hat diese Gratwanderung zwischen Lachen und Tod, zwischen Humor und Hoffnungslosigkeit wunderbar gelöst und in einer fĂŒr mich glaubhaften und authentischen Art rĂŒbergebracht. Die dabei eingestreute Liebesgeschichte wirkte fĂŒr mich zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt oder unglaubwĂŒrdig, hat doch auch sie gezeigt, unter welchen UmstĂ€nden die Menschen leben und leiden mussten, wie viel Kraft aber die Liebe und auch der Glaube geben kann.

Das Buch liest sich sehr flĂŒssig, durch einen zwar einfachen, dennoch aber auch eindringlichen Schreibstil, der unverblĂŒmt beschreibt und schonungslos schildert – und mich dadurch sehr berĂŒhrt hat. Zwar musste ich immer wieder das Buch beiseitelegen, um Gelesenes zu verdauen, lange war diese Pause aber nie, denn ich wollte wissen, wie es weitergeht. Gleich zu Beginn des Buches erfĂ€hrt man als Leser, dass Ernst Hoffmann ĂŒberlebt – und fĂŒr mich war das auch gut so, denn sonst hĂ€tte ich nicht gewusst, ob ich all das Gelesene hĂ€tte aushalten können. So aber wollte ich wissen, wie Ernst das grausame Szenario ĂŒberleben konnte.

Auch wenn das Lesen nicht immer einfach war, bin ich doch froh, auf dieses beeindruckende Buch gestoßen zu sein und in einer zwar schonungslosen, dennoch aber auch Hoffnung schenkenden Geschichte wieder etwas mehr ĂŒber das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte gelernt zu haben.

Mein Fazit
Schonungslos und ehrlich, aber auch Mut machend und Hoffnung schenkend – so habe ich diese Geschichte des Komikers Ernst Hoffmann empfunden, der im Jahre 1944 nach Polen deportiert wird. Das Thema „Lachen und Tod“ ist sicherlich brisant, ich finde aber, der Autor hat diese Gratwanderung zwischen Hoffnungslosigkeit und Humor wunderbar gelöst. Ein großartiges Buch ĂŒber das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte – grausam und schonungslos, dennoch aber auch liebevoll und herzlich. Von mir gibt es volle 5/5 Sternen.

©2015



Meinungen von anderen Lesern:



Na, was meint ihr?
Habt ihr das Buch schon gelesen? (hinterlasst doch einen Link zu eurer Rezension und ich verlinke auch euch)
- Empfindet ihr genauso?
- Habt ihr eher eine andere Meinung davon?
- Wandert das Buch direkt auf eure Wunschliste?
- Liegt es gar schon auf dem SuB?

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