Rezension: Bodil Bredsdorff - Unter Brüdern
Klappentext:
Der Einzug in ein einsames Haus ohne Komfort, streitende Eltern, keine Freunde, nur ein Nachbarjunge, der Prügel austeilen kann - und es kommt noch schlimmer für Martin …
Dennoch wächst zwischen ihm und HP, dem Nachbarjungen, langsam ein Band: Freundschaft? Sie können sich aufeinander verlassen. Ohne Wenn und Aber. Und fast unmerklich kommt mit dem Frühling das Gefühl hoch, dass alles gut ist.
Eine realitätsnahe Geschichte mit wunderbar nuancierten Charakteren, in einer unsentimentalen, dichten Sprache, oft gleichsam zwischen den Zeilen erzählt.
meine Meinung:
„Unter Brüdern“ von Bodil Bredsdorff habe ich zufällig in der Fundkiste unserer Schulbibliothek entdeckt. Es war aussortiert, aber der Klappentext klang so interessant, dass ich es einfach mitnehmen musste. Ich versprach mir eine emotionale Geschichte.
Der Jugendroman liest sich für Erwachsene recht schnell und doch bleibt er lange im Kopf. Der Spannungsbogen verläuft recht flach, da die Handlung sich oft von einem Tag zum nächsten bewegt. Wir begleiten zwei Jungen, die zunächst Nachbarn sind und im Laufe der Geschichte zu engen Freunden werden. Ihr Alltag wirkt unscheinbar und doch ist er geprägt von Armut, Alkoholismus und Gewalt. Dazu kommen Schlaganfall, Eifersucht, Freundschaft und das wachsende Vertrauen zwischen den beiden, das ihnen in schwierigen Momenten Halt gibt. Auch die Nachbarschaft entwickelt sich zu einem wichtigen Netz aus gegenseitiger Hilfe, was dem Roman eine hoffnungsvolle Note verleiht.
Oft empfand ich die Schilderungen als bedrückend. Mehr als einmal hatte ich selbst einen Kloß im Hals, vor allem in den Schulszenen. Sie machen wütend, weil sie so realistisch sind und uns mit der Ungerechtigkeit konfrontieren, die Kinder oft aushalten müssen. Gerade deshalb sehe ich in dem Buch großes Potenzial, Diskussionen anzustoßen.
Bei der Altersfrage bin ich vorsichtig. „Unter Brüdern“ ist als Jugendbuch konzipiert und ich persönlich würde es niemandem unter 12 Jahren empfehlen. Vieles wird nicht direkt ausgesprochen, sondern steckt zwischen den Zeilen. Das erfordert ein hohes Maß an Empathie und Einfühlungsvermögen, sonst droht man, an der Schwere der Themen zu scheitern. Die Charakterisierung erfolgt nicht durch Beschreibungen, sondern allein durch Handlungen - ein literarischer Kniff, der Erwachsene fasziniert, Kinder aber fordern kann.
Besonders beeindruckend fand ich, wie Bodil Bredsdorff Frauen und Männer zeichnet, die stark wirken und dennoch scheitern dürfen. Sie löst das starre Bild von Familie auf, ohne ins Überzeichnete abzudriften. Genau diese Vielschichtigkeit macht das Buch auch als Schullektüre spannend. Es bietet reichlich Stoff zum Diskutieren und Interpretieren, gerade weil die Autorin vieles unausgesprochen lässt.
Ursprünglich erschien der Roman unter dem Titel „Unter Brüdern“, 2013 wurde er jedoch neu aufgelegt und trägt seither den Namen „Schlagschatten“. Ein kleines Buch, das große Fragen stellt und dabei lange nachwirkt.
©2025 Mademoiselle Cake
buchige Daten:
Titel: Unter Brüdern
Text: Bodil Bredsdorff
Übersetzung: Patrick Zöller
Verlag: Urachhaus
Ersterscheinung: 2009
Genre: Kinderroman
Altersempfehlung: ab 12
Medium: Hardcover
Rezension vom: 16.09.25

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