Rezension: Beth Gutcheon - Das Schulhaus
Klappentext:
Hannah Gray ist siebzehn, als sie mit ihrer Stiefmutter den Sommer in einem ehemaligen Schulhaus an der Küste von Neuengland verbringt.
Für Hannah wird dieser Sommer unvergesslich bleiben: Sie sieht einen Geist im Schulhaus umgehen, und sie verliebt sich in Conary Crocker.
Die beiden stoßen auf ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit, das ihre beiden Familien verbindet - und machen sich daran, es aufzuklären.
Eine unnachahmlich fesselnde Mischung aus Horrorstory, Krimi und Liebesgeschichte
meine Meinung:
„Das Schulhaus“ von Beth Gutcheon steht seit Jahren in meinem Reread-Regal. Gekauft habe ich es damals spontan bei einer günstigen Aktion, weil mich der Klappentext neugierig gemacht hat. Unterschwelliger Grusel, psychologische Spannung, ein altes Gebäude voller Geheimnisse - das klang nach einer intensiven Lektüre, auch wenn Horror sonst nicht mein bevorzugtes Genre ist.
Der Einstieg war jedoch mühsam. Die Geschichte entfaltet sich auf zwei Zeitebenen: eine in der Vergangenheit, atmosphärisch dicht und tatsächlich fesselnd, und eine in der Gegenwart, erzählt aus der Perspektive einer älteren Frau, die auf frühere Ereignisse zurückblickt. Genau dieser zweite Strang bremste für mich den Lesefluss. Viele Szenen wirken ausufernd, verlieren sich in Alltäglichem und tragen wenig zur eigentlichen Spannung bei. Während die Rückblicke ein klares erzählerisches Ziel erkennen lassen, bleibt die Gegenwartsebene seltsam schwerfällig.
Mehrfach stand ich kurz davor, das Buch abzubrechen. Geblieben bin ich aus Neugier auf das zentrale Mysterium: die Andeutung eines Geistes, einer unheimlichen Präsenz im alten Schulhaus. Diese Erwartungshaltung trägt über viele Seiten - doch sie wird nicht eingelöst. Selbst am Ende bleibt die übernatürliche Komponente vage, beinahe beiläufig, als hätte sie sich nie wirklich entscheiden können, ob sie tragendes Element oder bloße Staffage sein will.
Rückblickend hätte ich den Gegenwartsstrang ohne Verlust überspringen können. Die relevanten Informationen ergeben sich ohnehin aus der früheren Handlungsebene. Die Spannung tritt hinter der ausführlichen Charakterzeichnung zurück und das vermeintliche Horrorelement wird eher psychologisch angedeutet als konsequent entwickelt. Die Geschichte ist mehr ein Familiendrama über Beziehungen, Schuld und Erinnerung als ein Schauerroman.
Am stärksten irritiert mich, dass der Gruselaspekt erzählerisch keine Notwendigkeit besitzt. Die emotionalen Konflikte tragen die Handlung allein. Die übernatürliche Andeutung fügt keine zusätzliche Tiefe hinzu und bleibt ohne Auflösung. Statt eines konsequenten Spannungsbogens bleibt ein diffuses Gefühl zurück. Nicht unlesbar, nicht schlecht geschrieben, aber emotional distanziert. Ich habe bis zur letzten Seite keinen echten Zugang gefunden.
©2026 Mademoiselle Cake
buchige Daten:
Titel: Das Schulhaus
Text: Beth Gutcheon
Übersetzung: Karin Szpott
Verlag: Weltbild
Ersterscheinung: 2001
Genre: Krimi
Rezension vom: 13.02.26

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