Rezension: Julya Rabinowich - Mo & Moritz
Klappentext:
Mo stammt aus einer Familie mit muslimischen Wurzeln. Als er eine Friseurlehre in einem Wiener Nobelsalon beginnt, taucht er ein in eine glamouröse Welt. Eines Abends wird er hinter den Kulissen des Wiener Opernballs eingesetzt und verliebt sich - ausgerechnet in Moritz, einen Jungen aus einer jüdischen Familie. Mo schwebt auf Wolke sieben - und bekommt gleichzeitig kalte Füße: Was, wenn seine Familie davon erfährt? Wird er jemals zu Moritz und seiner Liebe stehen können?
meine Meinung:
Im Coming-of-Age-Roman „Mo & Moritz“ verbindet Julya Rabinowich eine Liebesgeschichte zwischen zwei Jugendlichen mit einer auffallenden Dichte gesellschaftlicher Themen. Alltagsrassismus, Identität, Homosexualität, familiäre Erwartungen, Vorurteile, Antisemitismus, Trauma, Flucht, Fremdenfeindlichkeit (und einiges mehr) stehen nebeneinander und wollen gleichzeitig erzählt werden. Dieser Anspruch ist spürbar und prägt das gesamte Buch.
Gerade diese thematische Fülle empfand ich als ambivalent. Einerseits beeindruckt der Mut, so viele relevante Fragen aufzugreifen, andererseits entsteht der Eindruck, dass das Buch zu viel auf einmal will. Mehrfach bleiben Konflikte nur angerissen, statt wirklich vertieft zu werden. Dadurch verlieren einige Entwicklungen an Schärfe, obwohl ihr Potenzial deutlich erkennbar ist.
Trotzdem gelingen Rabinowich starke, lebendige Momente. Besonders Mos Chef im Friseursalon bleibt hängen: als ruhiger Gegenpol zur familiären Enge, als Figur, die Wärme ausstrahlt und dem Protagonisten Halt gibt.
Auch die Beziehung zwischen Mo und Moritz ist feinfühlig angelegt und emotional nachvollziehbar. Die Perspektiven der beiden wirken authentisch, ihre inneren Konflikte sind verständlich und nahbar. Gleichzeitig fehlt es manchen Szenen an Tiefe, um diese Gefühle wirklich auszukosten. Einige Figuren und Konfliktlinien bleiben eher Skizzen als ausgearbeitete Porträts.
Rabinowichs Sprache trägt den Roman spürbar. Der Stil ist zugänglich, lebendig und nah an den Emotionen der Figuren. Von Beginn an entsteht ein Sog, der das Weiterlesen leicht macht. Diese erzählerische Kraft sorgt dafür, dass die Geschichte berührt, selbst dort, wo sie inhaltlich zu viel auf einmal schultern will.
Am Ende bleibt „Mo & Moritz“ für mich ein Jugendroman mit großem thematischem Mut und ehrlicher emotionaler Wirkung, der jedoch zeigt, wie schwer es ist, eine so dichte Stofffülle auf engem Raum wirklich auszuerzählen.
©2026 Mademoiselle Cake
Zitate:
»„Aber das Schweigen macht es nicht ungeschehen, Mo. Nur unausgesprochen.“« (62%)
buchige Daten:
Titel: Mo & Moritz
Text: Julya Rabinowich
Verlag: Hanser
Ersterscheinung: 2026
Genre: Jugendroman LGBTQIAP+
Altersempfehlung: ab 14
Rezension vom: 01.02.26

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