Rezension: Annette Herzog - Das nächste Mal, wenn du verreist

Klappentext:

Was soll der kleine Elefant Tibula To nur tun? Seine Mama ist für zehn Tage verreist. Ohne ihn! Das bedeutet, tausend Mal alleine aufwachen und hunderttausend Millionen Mal nicht von Mama getröstet werden, wenn Tibula To geärgert wird, weil er nicht schwimmen kann. Er ist traurig.

Aber nicht lange. Dann lernt er eben schwimmen. Ob der kleine Tibula To das ganz alleine schafft und seine Mama damit überraschen kann?

meine Meinung:

Unser Stapel ungelesener Bilderbücher schrumpft spürbar. Dieses Mal haben wir „Das nächste Mal, wenn du verreist“ von Annette Herzog aus dem Regal gezogen.

Auslöser war der Klappentext. Diese Übertreibung aus Kindersicht trifft einen Nerv: Zehn Tage fühlen sich nicht nach einer überschaubaren Zeitspanne an, sondern nach einer gefühlten Ewigkeit. „Hunderttausend Millionen Mal“ - das beschreibt ziemlich genau, wie intensiv Kinder Abwesenheit wahrnehmen. Diese Perspektive zieht sich durch das ganze Buch und macht es emotional zugänglich.

Gleich zu Beginn stolperte ich allerdings über Details, die irritierten. Eine Krokodiltasche wirft Fragen auf, die man als Erwachsener nicht einfach ausblendet. Auch die scheinbar beiläufig eingestreute Botschaft rund um Klimaneutralität auf dem Bus wirkt erstmal eher aufgesetzt als organisch in die Geschichte eingebettet.

Inhaltlich funktioniert die Geschichte vor allem dort, wo sie das Durchhalten thematisiert. Der kleine Elefant scheitert, probiert weiter, verliert zwischenzeitlich den Fokus - und genau dann gelingt plötzlich der Durchbruch. Diese Dynamik wirkt glaubwürdig und nah an der Lebensrealität von Kindern.

Doch vor allem visuell überzeugt das Buch. Die Illustrationen sind ausdrucksstark, transportieren Emotionen unmittelbar und laden zum genaueren Hinsehen ein. Dabei entfalten sie eine leise Melancholie, die sich erst nach und nach erschließt und zunächst unauffällige Elemente in ein anderes Licht rückt. Gefallen hat uns speziell, wie viele zusätzliche Aspekte sich in den Bildern verbergen, ohne im Text aufgegriffen zu werden. Gerade das macht ihren Reiz aus: Man bleibt länger hängen, entdeckt immer wieder Neues und kommt darüber ins Gespräch. Die anfangs befremdlichen Details verlieren somit deutlich an Härte, ohne sie belanglos wirken zu lassen. Besonders gelungen ist die Entwicklung des kleinen Elefanten, dessen äußeres „Wachstum“ seine innere Entwicklung widerspiegelt. Mimik und Körpersprache sind dabei so klar gestaltet, dass sich seine Gefühle unmittelbar erschließen.

Die zentrale Botschaft bleibt klar: Übung führt zu Fortschritt und Rückschläge gehören dazu. Gerade bei Trennungssituationen, etwa wenn ein Elternteil verreist, kann die Geschichte Orientierung geben. Sie zeigt, dass Unsicherheit Raum für Entwicklung schafft, dass man wachsen kann, auch wenn jemand fehlt. Und dass Stolz nicht nur von außen kommen sollte, sondern im besten Fall von innen entsteht.

©2026 Mademoiselle Cake

buchige Daten:

Titel: Das nächste Mal, wenn du verreist
Text: Annette Herzog
Illustrationen: Ingrid und Dieter Schubert
Verlag: Sauerländer
Ersterscheinung: 2019
Genre: Bilderbuch
Altersempfehlung: ab 4
Rezension vom: 31.03.26

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