Rezension: Renée Kurilla - Der magische Garten

Klappentext:

Was waren denn das für Blumensamen?
Um Anna und Tess herum ist ein riesiger Wildblumen-Dschungel gewachsen!
Sie selbst sind plötzlich so klein wie das Wichtelmädchen Mai, das sie zu ihrer unterirdischen Höhle begleiten.
Dort gibt es Unglaubliches zu entdecken, aber wie finden die Mädchen bloß wieder zurück nach Hause?

meine Meinung:

Meine Zweitklässlerin hatte "Der magische Garten" von Renée Kurilla in gerade einmal zehn Minuten ausgelesen. Für sie war der Text eindeutig zu leicht. Ich würde das Buch daher eher Kindern in der ersten Klasse, insbesondere im zweiten Schulhalbjahr, wenn das Lesen gerade erst gefestigt wird, empfehlen. Die sehr kurzen Sätze, die einfache Wortwahl und der geringe Textumfang erleichtern zwar den Einstieg, bieten aber kaum sprachliche oder inhaltliche Herausforderung für geübtere Lesende.

Die Grundidee - zwei Freundinnen, die sich mit der Bedeutung von Bienen und Natur beschäftigen und dabei in ein magisches Abenteuer geraten - klang zunächst vielversprechend. Diese Mischung aus Umweltmotiv und Fantasie hätte viel Potenzial gehabt. In der Umsetzung bleibt die Handlung jedoch recht schlicht und vorhersehbar. Viele Entwicklungen wirken eher angerissen als zu Ende erzählt, wodurch kein echter Spannungsbogen entsteht.

Auffällig ist dabei auch die Figurenkonstellation. Anna übernimmt durchgehend die Führung, trifft Entscheidungen impulsiv und bestimmt den Verlauf der Handlung. Tess bleibt dagegen klar im Hintergrund, wirkt eher wie eine Randfigur, ist erzählerisch unterrepräsentiert, obwohl sie als zweite zentrale Figur angelegt ist. Ihre Perspektive wird kaum vertieft, ihre Unsicherheiten werden nur angerissen. Besonders sichtbar wird das in Situationen, in denen ihre Ängste - etwa vor Bienen oder dem Fliegen - zwar benannt, aber nicht in das Handeln integriert werden. Dadurch entsteht ein dauerhaftes Ungleichgewicht zwischen aktiver Steuerung und passiver Begleitung.

Dieser Eindruck wird durch die visuelle Gestaltung bereits vor dem Lesen verstärkt. Die Figuren Tess und Anna sind dort sofort erkennbar und visuell klar voneinander abgegrenzt. Genau diese Dynamik setzt sich im Inneren der Geschichte fort, allerdings nicht in der Tiefe, die man erwarten würde.

Im weiteren Verlauf zeigt sich zudem ein Mangel an konsequenter Entwicklung. Annas Verhalten wird zwar punktuell reflektiert, eine echte Konsequenz in Form von Klärung oder Entschuldigung gegenüber Tess erfolgt jedoch nicht. Dadurch bleibt die Figurenentwicklung abgeschlossen wirkungslos und ohne klare emotionale Auflösung.

Diese fehlende Konsequenz spiegelt sich auch in der Erzählstruktur wider. Mehrere Fragen werden im Verlauf aufgeworfen, ohne dass sie am Ende beantwortet werden. Zentrale Entwicklungen werden nicht vollständig zu Ende geführt.

Positiv bleibt die Idee rund um den Schutz von Bienen und die Bedeutung von Pflanzen für das Ökosystem. Dieses Thema wird verständlich und kindgerecht eingeführt und kann Gesprächsanlässe bieten. Gleichzeitig bleibt der Informationsgehalt sehr oberflächlich, wodurch der Lerneffekt begrenzt ist und die Geschichte weniger Tiefe entfaltet, als sie theoretisch hätte bieten können.

Die stärkste Ebene des Buches liegt in den Illustrationen. Sie sind farbenreich, detailorientiert und laden zum genauen Hinsehen ein. Gerade für Leseanfänger*innen entsteht dadurch ein zusätzlicher Zugang zur Geschichte, der den eher einfachen Text sinnvoll ergänzt.

©2026 Mademoiselle Cake

buchige Daten:

Titel: Der magische Garten
Text: Renée Kurilla
Übersetzung: Nora De Lon
Illustrationen: Renée Kurilla
Verlag: Carlsen
Ersterscheinung: 2024
Genre: Comic für Kinder
Altersempfehlung: ab 5
Rezension vom: 26.05.26

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