Rezension: Alice Oseman - Solitaire


Klappentext:

»Manchmal hasse ich Menschen.«

Tori Spring ist am liebsten einfach allein. Zumindest bis eine Zettelspur sie eines Tages zu Solitaire führt: einer mysteriösen Gruppe, die in der Schule schwerwiegende Streiche spielt. Diese scheinen auf seltsame Weise mit Tori in Verbindung zu stehen. Ausgerechnet der irritierend fröhliche Michael Holden will sich daher mit ihr auf die Suche nach den Drahtziehern machen. Und obwohl Tori sich nicht gern in Dinge einmischt, ist die Vorstellung, nichts zu tun, plötzlich noch viel schlimmer...

Eine ehrliche Geschichte über Depressionen und darüber, wie man sich inmitten von Weltschmerz und Erfolgsdruck zurechtfindet.

meine Meinung:

Vor zwei Jahren habe ich mein erstes Buch von Alice Oseman gelesen: "Loveless". Ich fand es damals gut geschrieben und hatte mir vorgenommen, auch noch andere Bücher der Autorin zu lesen.

Jetzt fiel mir ihr Debütroman "Solitaire" in die Hände und ich war gespannt, was ich diesmal in einem Buch von Alice Oseman entdecken würde.

Das Thema Depressionen ist mir nicht völlig fremd. Ich kenne zwei Menschen, die darunter leiden, und ich habe mich bereits häufig mit dieser Krankheit auseinandergesetzt und weiß, dass sie sich nicht immer auf den ersten Blick erkennen lässt. Entsprechend gespannt war ich darauf, wie die Schriftstellerin dieses Thema in ihrem Werk umsetzt.

Anfangs habe ich den Jugendroman wirklich gerne gelesen. Ich habe mir sogar einige Stellen markiert, weil ich die Gedanken, die die Autorin aufgeschrieben hat, interessant, inspirierend, traurig oder einfach sehr passend fand. Doch nach ungefähr einem Drittel habe ich kaum noch etwas gefunden, das mich auf diese Weise angesprochen hat - bis auf eine einzelne Stelle. Der Schreibstil blieb zwar locker und leicht zu lesen, aber die Geschichte begann mich zunehmend zu langweilen.

Victoria "Tori" Spring ist die Protagonistin des Coming-of-Age-Romans, und wir erleben die gesamte Geschichte aus ihrer Perspektive. Genau deshalb hatte ich mir einen tieferen Einblick in ihre psychische Verfassung erhofft. Ich wollte verstehen, wie Tori ihre Depression erlebt, was vielleicht dahintersteckt und welche Auswirkungen sie auf ihr Leben hat.

Das ist mir leider nicht gelungen. Obwohl Tori als depressiv beschrieben wird, konnte ich ihre Erkrankung anhand ihrer Gedanken und ihres Verhaltens nicht wirklich nachvollziehen. Sie hat zwar auf vieles keine Lust und ist ausgesprochen pessimistisch, doch für mich reicht das allein nicht aus, um eine Depression als Leserin glaubhaft zu erleben. Dadurch blieb Tori für mich als Figur schwer greifbar.

Viel interessanter fand ich dagegen ihren Bruder Charlie. Seine psychischen Probleme und sein Umgang damit haben mich deutlich mehr beschäftigt als Toris Geschichte. Gerade hier hätte ich mir allerdings eine Triggerwarnung gewünscht. Gleichzeitig ist Charlie nur eine Nebenfigur, sodass man über seine Situation vergleichsweise wenig erfährt. Ich denke und hoffe, dass seine Geschichte in "Heartstopper" noch ausführlicher behandelt wird.

Auch die Freundschaften, die im Laufe der Geschichte neu entstehen, konnte ich nicht wirklich nachvollziehen. Mir fehlten Dialoge und Situationen, die mir verständlich gemacht hätten, warum diese Menschen plötzlich so wichtig füreinander sind. Die Erklärungen der einzelnen Personen dazu wirkten auf mich teilweise aus der Luft gegriffen. Ich konnte die Entwicklung emotional einfach nicht mitgehen.

Für Spannung sollte die geheimnisvolle Gruppe "Solitaire" sorgen. Einige ihrer Aktionen fand ich allerdings entweder ziemlich langweilig oder schlichtweg hochgefährlich. Beides hat bei mir nicht für die Spannung gesorgt, die vermutlich beabsichtigt war.

Zum Schluss blieb ich mit mehr Fragen als Antworten zurück. Besonders beschäftigt hat mich die Frage, wie intensiv sich die Autorin mit dem Krankheitsbild Depression auseinandergesetzt hat. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass ich mir von diesem Thema etwas anderes erhofft hatte. Für mich hat die Darstellung jedenfalls nicht funktioniert.

Im Klappentext wird "Solitaire" als "eine ehrliche Geschichte über Depressionen und darüber, wie man sich inmitten von Weltschmerz und Erfolgsdruck zurechtfindet" beschrieben. Genau das hatte meine Erwartungen an den Roman geweckt. Leider habe ich davon in der Geschichte nur wenig wiedergefunden.

©2026 Mademoiselle Cake

Zitate:

»Ich glaube«, sage ich, verschränke die Arme auf dem Tisch und lege den Kopf darauf,
»ich mag Mittwoche deswegen nicht, weil es der Tag in der Mitte der Woche ist.
Man hat das Gefühl, man wäre schon seit einer Ewigkeit in der Schule,
aber es ist immer noch eine Ewigkeit bis zum Wochenende.
Es ist der enttäuschendste Tag.« (S. 259 )

buchige Daten:

Titel: Solitaire
Untertitel: Keine Liebesgeschichte
Text: Alice Oseman
Übersetzung: Anja Galić
Verlag: Loewe
Ersterscheinung: 2015
Genre: Coming-of-Age / Jugendroman
Altersempfehlung: ab 14
Rezension vom: 20.08.26

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