Rezension: Joy Fielding - Blind Date

Klappentext:

Er nennt sich Mr Right Now - und das Profil auf seiner Datingseite ist äußerst attraktiv. Nichts weist darauf hin, dass der sympathische Mann mit dem gewinnenden Lächeln eine ganz besondere Neigung hat. Und dass er eine tödliche Überraschung bereithält, wenn der romantische Abend beendet ist. Zur gleichen Zeit suchen vier Frauen auf unterschiedliche Weise ihr Glück im Internet: die junge Paige, ihre beste Freundin Chloe, ihre Mutter Joan und ihre Cousine Heather. Sie alle sehnen sich nach einem Neubeginn in ihrem Leben. Und dann hat eine von ihnen ein vielversprechendes Date. Sein Name ist Mr Right Now …

meine Meinung:

Bei Büchern von Joy Fielding gehe ich mittlerweile meist von Spannungsromanen aus - nicht mehr von Psychothrillern wie früher. Oft liege ich damit richtig, und meine Erwartungen sind inzwischen deutlich andere. Dadurch kann ich mich auch viel besser auf ihre Geschichten einlassen, ohne am Ende enttäuscht zu werden, weil ich etwas anderes erwartet habe.

Gerade dieser Roman hat mir mal wieder einiges vor Augen geführt. Ich hatte das Gefühl, hier kommt wieder die Joy Fielding zum Vorschein, die ich an ihren früheren Psychothrillern so sehr mochte. Dabei ist „Blind Date“ gar kein Psychothriller, sondern vielmehr ein Spiegel, der unserer Gesellschaft vorgehalten wird.

Mr. Right Now - so erfährt man es bereits aus dem Klappentext - ist ein Serienmörder. Doch weder seine Taten noch sein Wesen stehen hier wirklich im Mittelpunkt.

Stattdessen beschäftigt sich die Autorin mit den Gefahren von Online-Dating und Social Media, mit der Preisgabe persönlicher Informationen und damit, wie leicht man im Internet Spuren hinterlässt, ohne sich der möglichen Konsequenzen bewusst zu sein.

Ganz besonders erwähnenswert fand ich beispielsweise eine Textstelle, in der eine Frau ein Foto des Personalausweises des Dates machen möchte, um es ihren Freundinnen zu schicken. Ein eigentlich einfacher Gedanke, der aber durchaus sinnvoll ist, wenn man sich mit einem fremden Menschen verabredet. Absolut klug gedacht!

Überhaupt wird deutlich, wie nachlässig wir teilweise mit unseren persönlichen Informationen umgehen. Was wir alles über uns und unser Leben preisgeben, wo man überall Informationen über uns finden kann und wie leicht sich einzelne Angaben miteinander verknüpfen lassen. Ein Name, ein Foto, ein paar persönliche Details - und schon lässt sich unter Umständen viel mehr über einen Menschen herausfinden, als einem lieb sein dürfte. Gerade im Zusammenhang mit Online-Dating fand ich diese Aspekte sehr interessant und durchaus zum Nachdenken anregend.

Lustig fand ich auch, dass in der Geschichte Eataly vorkommt. Ich dachte tatsächlich, das gäbe es nur bei uns in Italien. Aber die Kette ist international vertreten und hat auch in Boston, wo die Geschichte spielt, einen Standort. Solche kleinen Entdeckungen am Rande finde ich immer wieder schön.

Die vier Frauen werden toll charakterisiert. Jede bringt ihre eigene Geschichte, ihre Probleme und ihre ganz persönlichen Beweggründe mit. Dadurch entsteht eine abwechslungsreiche Handlung, die eben nicht nur von der Bedrohung durch den Serienmörder lebt, sondern vor allem von den unterschiedlichen Lebenssituationen und Beziehungen der Frauen.

Und der Schluss? Über den kann man sich sicherlich streiten. Ich mochte ihn - genau so, wie er ist. Er ist zwar bitterböse, aber für mich auch völlig nachvollziehbar. Ich fand ihn jedenfalls passend und hätte mir tatsächlich kein anderes Ende gewünscht.

In meinen Augen hat Joy Fielding hier mal wieder einen wirklich vielschichtigen Spannungsroman geschrieben, der nicht nur unterhält, sondern auch einige Denkanstöße liefert. Ich habe mich jedenfalls gut unterhalten gefühlt und gleichzeitig so manches aus der Geschichte mitgenommen.

©2026 Mademoiselle Cake

buchige Daten:

Titel: Blind Date
Text: Joy Fielding
Übersetzung: Kristian Lutze
Verlag: Goldmann
Ersterscheinung: 2019
Genre: Spannungsroman
Rezension vom: 06.11.26

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