Rezension: Christian Schnalke - Louma
Klappentext:
LOUMA HAT VIER KINDER VON ZWEI MÄNNERN. ALS SIE STIRBT, MÜSSEN DIE KINDER AUSEINANDER. ODER DIE MÄNNER ZUSAMMEN.
Als Louma viel zu jung stirbt, hinterlässt sie vier Kinder von zwei Vätern. Die beiden Männer sind wie Feuer und Wasser: Tristan und Mo verbindet nur, dass sie mit derselben Frau verheiratet waren. Beide Väter wissen, was das Beste für Toni, Fabi, Fritte und Nano ist, keiner von beiden würde dem anderen seine Kinder anvertrauen. Da hat Fritte eine Idee: Damit die Geschwister nicht auseinandergerissen werden, ziehen die ungleichen Väter einfach zusammen. Und während sie alle auf ihre Weise um Louma trauern, müssen sie zueinanderfinden. Kann aus der Zweck-WG eine richtige Familie werden?
Das berührende, mit feinem Humor erzählte Porträt einer Frau, die über ihren Tod hinaus die Menschen, die sie lieben, verbindet.
meine Meinung:
„Louma“ von Christian Schnalke war ein Zufallsfund in unserer diesjährigen Ferienwohnung. Der Klappentext hat mich direkt angesprochen und so durfte das Buch immer wieder mit zum Strand und mir dort ein wenig die Zeit vertreiben.
Christian Schnalke versucht in meinen Augen vor allem zwei Dinge zu zeigen: Welche Bedeutung bestimmte Menschen in unserem Leben haben können und was Familie eigentlich bedeutet. Beides ist ihm durchaus gut gelungen.
Besonders schön fand ich, wie selbstverständlich die Kinder mit ihrer ungewöhnlichen Familienkonstellation umgehen. Für sie ist es einfach ihre Familie. Da wird nichts hinterfragt und auch nichts in Frage gestellt. Die Erwachsenen machen aus vielem ein Problem, während die Kinder manches erstaunlich unkompliziert sehen.
Ein bisschen genervt und gelangweilt haben mich hingegen die Klischees, die bei den beiden Vätern bedient werden. Tristan ist erfolgreich, attraktiv, organisiert, sportlich und der klassische Macher. Mo dagegen ist beruflich wenig erfolgreich, chaotisch, verschlafen, unsportlich und wirkt zunächst eher wie der „Loser“. Diese Gegensätze sind mir teilweise einfach zu deutlich gezeichnet.
Trotzdem bekommen die sechs Figuren dieser ungewöhnlichen Familienkonstellation im Laufe der Geschichte ein eigenes Gesicht. Besonders die Kinder fand ich interessant. Ihre Trauer wird nicht einfach über einen Kamm geschoren, sondern jeder geht anders mit dem Verlust der Mutter um. Genau das hat mir gefallen.
Gerade die vier Geschwister waren für mich in diesem Roman auch das Überraschungsei. Der Autor gibt jedem von ihnen eine eigene Stimme. Sie sind nicht nur passive Figuren, die neben den Erwachsenen stehen und darauf warten, dass jemand eine Entscheidung für sie trifft. Sie haben ihre eigenen Vorstellungen davon, wie es nach Loumas Tod weitergehen soll, und bringen sich entsprechend ein. Das wirkt für mich an vielen Stellen sehr authentisch.
Es geht jedoch nicht nur ums Traurigsein. Schuldgefühle, Verlust und Verantwortung spielen ebenso eine Rolle. Gleichzeitig müssen alle Beteiligten herausfinden, wie diese Familie ohne Louma funktionieren kann. Das fand ich als Ausgangspunkt sehr interessant.
Was mir allerdings gefehlt hat, war an einigen Stellen die nötige Tiefe. Manche Konflikte werden angesprochen, aber für meinen Geschmack nicht wirklich zu Ende erzählt. Gerade bei den Erwachsenen hätte ich mir mehr Einblick in ihre Gedanken und Gefühle gewünscht. Dadurch bleiben manche Entwicklungen für mich etwas an der Oberfläche.
Das bedeutet allerdings nicht, dass mich die Geschichte kaltgelassen hätte. Im Gegenteil. Zum Ende hin wird „Louma“ noch einmal sehr emotional, auch wenn sich die Ereignisse etwas überschlagen. Einige Entwicklungen gingen mir dadurch fast ein wenig zu schnell. Trotzdem gab es immer wieder Momente, die mich berührt und zum Nachdenken gebracht haben.
„Louma“ ist für mich deshalb ein emotionaler und lebensnaher Familienroman für zwischendurch. Besonders die Kinder und ihre ganz unterschiedlichen Arten, mit dem Verlust ihrer Mutter umzugehen, sind mir im Gedächtnis geblieben. Nicht alles war für mich rund, und gerade bei den Klischees und der fehlenden Tiefe einzelner Konflikte hätte ich mir mehr gewünscht. Trotzdem hatte ich eine schöne Lesezeit mit der ungewöhnlichen Familie.
Und weil mich Christian Schnalke trotz meiner Kritik neugierig gemacht hat, ist bereits ein weiterer Roman des Autors auf meine Leseliste gewandert.
©2026 Mademoiselle Cake
buchige Daten:
Titel: Louma
Text: Christian Schnalke
Verlag: Kampa
Ersterscheinung: 2021
Genre: Familienroman
Rezension vom: 12.07.26

