­čŹ░ ✎ Oriana Fallaci - Brief an ein nie geborenes Kind


Titel: Brief an ein nie geborenes Kind
Autor: Oriana Fallaci
Verlag: Fischer
Ersterscheinung: 1977
Genre: Erfahrung
gelesen als: Taschenbuch
Rezension vom: 21.12.16









Klappentext:

Gefühle, Zweifel, Ängste, Hoffnung, die Verantwortung, ein Kind zu haben. Eine junge Frau stellt sich dieser Verantwortung mit allem Ernst und aller Hingabe, Sie legt sich selbst gegenüber Rechenschaft ab über ihre wechselnden und widersprüchlichen Gefühle zu dem Kind, das sie erwartet.



meine Meinung:

Als ich dieses Buch damals beim St├Âbern entdeckte, habe ich nicht mit dieser krassen Lekt├╝re gerechnet. Mir war Oriana Fallaci vorher unbekannt und wusste daher nicht, auf was ich mich da einlassen w├╝rde.

Auch nach den ersten Seiten war ich noch eher abgeschreckt, obwohl ich da schon anfing, mir Textstellen zu markieren. Es hat die typische kleine, enggeschriebene Schrift von fr├╝her, sodass ich dachte, dass Buch dauert mal wieder ewig, obwohl ich nur was Kleines f├╝r Zwischendurch wollte.

Irgendwann jedoch hatte mich der Monolog absolut in seinem Bann.

Die Frau beschreibt wirklich alle Gef├╝hle, die in ihr vorgehen. Sie l├Ąsst keins aus, besch├Ânigt nicht ein einziges. F├╝r und Wider. Frei oder gebunden. Ja oder nein.
Ich denke, jede werdende Mama, jeder werdende Papa und auch Frauen und M├Ąnnern, die dar├╝ber nachdenken, ob sie ein Kind in diese Welt setzen m├Âchten, werden mit (fast) all diesen Emotionen ├╝berschwemmt.

"Mutterschaft ist keine moralische Pflicht. Sie ist eine bewu├čte Entscheidung." (S. 101)

Frau Fallaci hat nicht nur ein schwieriges Thema super umgesetzt, sondern traut sich auch das zu sagen, was viele lieber totschweigen. Worte, die sich die meisten nicht trauen, ├Âffentlich zu sagen, werden einem hier vor den Latz geknallt.

"Weil ich dich satt habe!" (S. 69)

Ich behaupte, jeder nimmt aus diesen Zeilen etwas mit - egal ob Frau oder Mann, egal ob jung oder alt, egal ob Eltern oder werdende Eltern oder Kinderlose.
Die Schriftstellerin wei├č einfach, wie sie jemanden erreicht, wie sie das auf den Punkt bringt, was sie sagen m├Âchte.

Dies ist zwar mein erstes, aber definitiv nicht mein letztes Buch der Autorin gewesen.

©2016 Mademoiselle Cake



Zitate:

"[...] es ist nicht die Angst vor den andern. Die andern k├╝mmern mich nicht. Es ist nicht die Angst vor Gott. An Gott glaube ich nicht. Nicht die Angst vor dem Schmerz. Den f├╝rchte ich nicht. Es ist die Angst vor dir, vor dem Zufall, der dich aus dem Nichts gerissen hat, um dich an meinen Leib zu h├Ąngen." (S. 7)

"Viele Frauen stelle sich die Frage: warum eigentlich ein Kind in die Welt setzen? Damit es Hunger und K├Ąlte leidet, damit es betrogen und beleidigt wird, damit es von Krieg oder Krankheit gemordet wird?" (S. 9)

"Es hie├če, dir vormachen, Kind, das Leben sei ein weicher Teppich, auf dem man barfu├č laufen kann, und nicht eine Stra├če voller Steine. Steine, ├╝ber die man stolpert und f├Ąllt, an denen man sich verletzt. Steine, vor denen man sich mit eisernen Schuhen sch├╝tzen mu├č. Und nicht einmal das ist ausreichend, denn w├Ąhrend du deine F├╝├če sch├╝tzt, gibt es immer irgendeinen, der einen Stein aufhebt, um ihn dir an den Kopf zu werfen." (S. 17)

"Der du die ├╝belste aller Wahrheiten noch gar nicht kennst: die Welt ├Ąndert sich und bleibt wie zuvor." (S. 59)

"Aber gen├╝gt es, an die Liebe zu glauben, wenn man nicht an das Leben glaubt?" (S.107)



..und das sagen andere:

der blaue ritter

Share this:

JOIN CONVERSATION

    Blogger Comment

0 commenti:

Kommentar ver├Âffentlichen