📚 Jana stellt vor: Imperium in Imperio


Letzte Woche hat euch Jana einen "Roman ĂŒber das Ende des Sozialismus in RumĂ€nien aus der Sicht eines jungen MĂ€dchens" vorgestellt. In Woche 73 unseres Projekts "vergessene SchĂ€tze" stellt sie euch erneut einen ihrer SchĂ€tze vor:


Klappentext:

Self-published in 1899 and sold door-to-door by the author, this classic African-American novel - a gripping exploration of oppression, miscegenation, exploitation, and black empowerment - was a major bestseller in its day. The dramatic story of a conciliatory black man and a mulatto nationalist who grow up in a racist America and are driven to join a radical movement dedicated to the creation of an all-black nation in Texas, Imperium in Imperio had a profound influence on the development of black nationalism.



Janas Meinung:

1899 erschienen, gilt Imperium in Imperio als Meilenstein schwarzer US- Literatur. Als Griggs sein Buch Anfang des letzten Jahrhunderts von TĂŒr zu TĂŒr ziehend verkaufte, avancierte es durch Mundpropaganda schnell zum Bestseller. Das ist auch durchaus zu verstehen, die Geschichte zweier talentierter junger MĂ€nner, von denen jeder, wĂ€re er weiß gewesen, es wohl zum PrĂ€sidenten der Vereinigten Staaten hĂ€tte bringen können, muss einen unglaublichen Reiz auf Teile der gebeutelten schwarzen Bevölkerung der damaligen Zeit ausgeĂŒbt haben. Auch, dass die Geschichte die BĂŒrgerrechtsbewegung der USA beeinflusst hat, ist gut nachzuvollziehen, ohne hierĂŒber allerdings NĂ€heres zu wissen. Die Idee von einem geheimen Zusammenschluss aller aufgrund ihrer Hautfarbe Diskriminierten, der so groß und auch so schlagkrĂ€ftig wĂ€re, die gesellschaftlichen VerhĂ€ltnisse zu verĂ€ndern, ist durch und durch politisch und verlockend.

Bernard und Belton werden am gleichen Tag eingeschult. WÀhrend Beltons Mutter sich den Schulbesuch ihres Sohnes vom Mund abspart, fehlt es Bernard an nichts. Der Lehrer, von Bernards Mutter hingerissen, behandelt die beiden begabten Kinder fortan so ungleich wie irgend möglich. WÀhrend Belton SchlÀge einstecken muss, erhÀlt Bernard Förderunterricht. Doch beide entwickeln sich zu brillanten Köpfen. Wenn sie reden, hÀlt das Publikum den Atem an.
Bernard stehen mit seiner Begabung und dem Geld seiner Familie alle TĂŒren offen, so scheint es; Belton wird indes wĂ€hrend seines College-Aufenthaltes schmerzlich bewusst, wie ungleich die Chancen zwischen Schwarz und Weiß im SĂŒden der USA verteilt sind. Schließlich treffen sich die beiden, desillusioniert von den gesellschaftlichen ZwĂ€ngen, von Lynchmorden und offenem Rassismus wieder: in Imperium, einem geheimen Staat innerhalb der USA, der sich ganz dem Wohl seiner ausschließlich schwarzen Bevölkerung verschrieben hat.

Von ihrer historischen Bedeutung abgesehen, kommt die Geschichte selbst unspektakulĂ€r daher. Der Aufbau ist einfach: Ein armer und ein reicher Junge, beide begabt, wollen es zu etwas bringen, werden jedoch von den widrigen gesellschaftlichen UmstĂ€nden daran gehindert. Sie durchlaufen verschiedene Stationen, scheitern wiederholt und kehren enttĂ€uscht ihrem bisherigen Leben den RĂŒcken. Sie politisieren und radikalisieren sich, was – so viel sei gesagt – nicht gut endet.
Der Autor kann seinen Hintergrund als Prediger nicht verbergen. Die Sprache ist stellenweise sehr salbungsvoll, alle Frauenfiguren kommen Heiligen gleich, denen doch, auch nach Jahren der Verachtung, Gerechtigkeit ob ihrer Tugend widerfÀhrt. Die Schilderung mancher Begebenheiten wirkt etwas ungelenk und unfreiwillig komisch. So wird voller Dramatik ein Unfall beschrieben, um dann zu enden:


"Bernard had not been killed in his fall because of a parachute which had been so arranged,
unknown to him, to save him in the descent."


Viele der eigentlich spannenden Fragen werden gar nicht beantwortet: Wie kommt es, dass Bernard und Belton so eng miteinander befreundet sind, wo doch der eine stĂ€ndig ĂŒbervorteilt wurde und der Autor sie wĂ€hrend ihrer gesamten Kindheit kaum ein Wort miteinander wechseln lĂ€sst? Wer hat ImperiumbegrĂŒndet, wie schaffen die „BĂŒrger“ es, ein Doppelleben in zwei Staaten zugleich zu fĂŒhren?
Gut gelungen, und das macht den Charme des Buches aus, sind die Reden der Protagonisten am Ende der Geschichte. Mit ZwischenĂŒberschriften versehen, kommen sie einem politischen Manifest gleich. Hier wird dann zum ersten Mal die enorme Sprengkraft deutlich, die die Geschichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts barg.

Imperium in Imperio mag fĂŒr die schwarze BĂŒrgerrechtsbewegung der USA große Bedeutung gehabt haben und ist unter diesem Aspekt sicherlich interessant. Wer allerdings eine ausgefeilte Utopie erwartet, wird enttĂ€uscht.

Sutton E. Griggs, Imperium In Imperio, verschiedene Ausgaben. Das Werk ist bislang nicht auf Deutsch erschienen.

Hier eine ausfĂŒhrliche Besprechung zum Buch in englischer Sprache:
https://lavelleporter.com/2013/02/17/academic-novel-imperium-in-imperio/

Verschiedene E-Book-Versionen des Textes können hier kostenlos heruntergeladen werden: http://www.gutenberg.org/ebooks/15454

©2016



Meinungen von anderen Lesern:





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