Rezension: Leonie Lutz & Mareike Brede - Verstehen statt verlieren
Klappentext:
Aus Frust zerstörte Konsolen? Pornos im Klassenchat? Dauerstreit um Medienzeiten? Was in vielen Familien passiert, wenn Mediennutzung auf Pubertät trifft das erklären Digitalexpertin Leonie Lutz und Sexualpädagogin Mareike Brede in diesem Buch.
Sie schaffen Verständnis für Eltern und Jugendliche und bieten konstruktive Lösungen an, diese herausfordernde Zeit gemeinsam sicher zu meistern. Mit zahlreichen Erste-Hilfe-Maßnahmen und Anleitungen, die es Eltern Schritt für Schritt ermöglichen, ihre Teenager in allen Lebenslagen - analog wie digital - aufzuklären und zu schützen.
meine Meinung:
Meine Tochter ist knapp acht Jahre alt und noch weit von der Pubertät entfernt. Trotzdem bestimmt das Thema Medienkonsum unseren Alltag bereits jetzt. Es geht dabei fast ausschließlich um Situationen unterwegs, egal ob im Auto oder in der Bahn. Das Handy wird schnell eingefordert - als selbstverständlicher Begleiter gegen Langeweile. Zu Hause ist die Nutzung klar begrenzt: Mein Smartphone darf sie gelegentlich verwenden, um Fotos oder Videos aufzunehmen, die privat bleiben und nicht veröffentlicht werden. Einen Fernseher gibt es ebenfalls, allerdings läuft er selten - abends für die Nachrichten, am Wochenende für eine gemeinsame Serie. Mehr nicht.
Gerade weil das Thema aktuell noch überschaubar ist, wollte ich mich frühzeitig mit dem auseinandersetzen, was unweigerlich kommen wird. Aus diesem Grund habe ich zu dem Buch „Verstehen statt verlieren: Erste Hilfe für die Smartphone-Pubertät“ von Leonie Lutz und Mareike Brede gegriffen. Die Lektüre hat mich stärker getroffen, als ich erwartet hatte. Nicht nur mit Blick auf mein Kind, sondern auch auf mein eigenes Medienverhalten. Viele App-Einstellungen waren mir schlicht unbekannt. Weil ich mich nicht auf allen Plattformen bewege, hatte ich keine reale Vorstellung davon, welche Inhalte Jugendlichen dort begegnen - einige beschriebene Hashtags haben mir schier die Luft geraubt.
Ich bewege mich bewusst in bestimmten digitalen Räumen und bekomme vieles nicht mit. Das schützt, verzerrt aber auch. Die Versuchung war groß, die genannten Schlagworte selbst zu suchen, um mir ein eigenes Bild zu machen. Ich habe es gelassen, weil ich weiß, wie schnell Algorithmen kippen und wie nachhaltig sich Inhalte festsetzen, die man eigentlich gar nicht sehen will. Diese Gratwanderung zwischen Informiertsein und Selbstschutz beschreibt das Buch sehr treffend.
Zwei Abschnitte habe ich bewusst übersprungen - nicht aus Desinteresse, sondern weil sie für meinen Fokus auf digitale Medien keine neue Tiefe brachten. Den Abschnitt „Achterbahn der Gefühle“ und die Passagen zu körperlichen Veränderungen und Sexualität habe ich an anderer Stelle bereits ausführlich mit meiner Tochter besprochen. In diesem Buch wirkten diese Themen eher angerissen als integriert.
Was bleibt, ist ein deutlicher Mehrwert. Besonders überzeugt hat mich, dass die Autorinnen nicht bei Warnungen stehen bleiben, sondern konkrete Handlungsoptionen aufzeigen. Ein paar der empfohlenen Seiten und Projekte kannte ich zwar dem Namen nach, hatte sie aber nie systematisch genutzt. Der Anhang mit hilfreichen Apps, Anlaufstellen für Eltern und Jugendliche sowie einer umfangreichen Quellenliste ist praxisnah und erspart lange Eigenrecherche.
Beim ersten Lesen habe ich mir Notizen gemacht, eher grob, eher intuitiv. Beim zweiten Durchgang werde ich genauer hinschauen, markieren, Links prüfen und mir Schritt für Schritt Wissen aneignen, das ich hoffentlich noch eine Weile nicht aktiv anwenden muss. Trotzdem fühlt es sich richtig an, vorbereitet zu sein, bevor das Smartphone nicht mehr nur Reisebegleiter, sondern sozialer Mittelpunkt wird.
Das Buch hat bei mir etwas angestoßen. Deshalb steht auch „Begleiten statt verbieten“ bereits auf meiner Merkliste. Nicht, weil ich Antworten suche, die mir jemand abnimmt, sondern weil ich verstehen will, wie Begleitung gelingen kann, ohne Kontrolle zur Dauerhaltung werden zu lassen.
©2026 Mademoiselle Cake
buchige Daten:
Titel: Verstehen statt verlieren
Untertitel: Erste Hilfe für die Smartphone-Pubertät
Text: Leonie Lutz & Mareike Brede
Verlag: Kösel
Ersterscheinung: 2025
Genre: Ratgeber
Medium: Taschenbuch
Rezension vom: 19.01.26

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