Rezension: Marie Matisek - Marita 1 Sonnensegeln

Klappentext:

Als die Krankenschwester Marita diese Annonce in der Zeitung liest, ahnt sie noch nicht, dass sich ihr Leben von Grund auf ändern wird. Schon lange ist sie unzufrieden mit sich und ihrem Alltagstrott. Aber erst ihre achtzehnjährige Tochter bringt Marita dazu, auf die Anzeige zu antworten.
So landet sie auf dem von Blütenduft und Sonnenglut durchtränkten Gut der Lafleurs in der Nähe der Parfümstadt Grasse. Hier blühen Rosen und Jasmin, die Grundlage für die wunderbaren Düfte und den Reichtum der französischen Familie.
Doch der schwerkranke Unternehmer entpuppt sich als schwieriger Patient und Lucien, sein Sohn, als wortkarg und wenig charmant. Marita könnte verzweifeln, wären da nicht die herzensgute Haushälterin Ségolène und der charmante Filou François, der Marita die zauberhafte Côte d'Azur von ihrer schönsten Seite zeigt.

meine Meinung:

Ich habe „Sonnensegeln“ von Marie Matisek völlig anders erlebt, als es Cover und Titel nahelegen. Was nach sommerlicher Urlaubslektüre aussieht, entpuppt sich für mich als Roman, der mehr irritiert als trägt. Die Grundidee - eine Krankenschwester, die auf eine Anzeige für eine Privatpflege in Südfrankreich reagiert - wirkt auf dem Papier durchaus reizvoll. In der Umsetzung verliert sie jedoch schnell an Glaubwürdigkeit.

Mein Unbehagen setzt früh ein: Eine etwa fünfzigjährige Frau bewirbt sich über eine ausländische Stellenanzeige - in einer deutschen Zeitung (!) - und spricht kein Wort Französisch. Es erfolgt lediglich ein 4-wöchiger Intensivkurs. Dass sie als ausgebildete Krankenschwester trotzdem problemlos arbeitet und Gespräche führt, erscheint mir unrealistisch. Gerade in diesem Beruf ist Sprache kein Beiwerk, sondern Voraussetzung. Aus eigener Erfahrung mit dem Auswandern weiß ich, wie anspruchsvoll selbst einfache Alltagskommunikation sein kann - hier wird sie erstaunlich beiläufig behandelt.

Im weiteren Verlauf häufen sich Logiklücken, die sich nicht mehr überlesen lassen. Ein Charakter verbringt regelmäßig stundenlang Zeit in einem verqualmten Zimmer, angeblich während einer Dialyse, und niemand bemerkt Geruch oder äußere (fehlende) Veränderungen. Ebenso irritierend ist, dass Aussagen über die Selbstständigkeit eines gelähmten Menschen widerspruchslos hingenommen werden, obwohl sie offenkundig Fragen aufwerfen müssten. Auch die Episode mit dem fremdsprachigen Navigationssystem wirkt konstruiert, weil naheliegende Lösungen schlicht ignoriert werden. Diese Details summieren sich und untergraben zunehmend das Vertrauen in die Erzählung.

Hinzu kommen die romantischen Verstrickungen. Die Beziehung zwischen Marita und Lucien folgt bekannten Mustern und bleibt für mich vorhersehbar. Problematischer ist jedoch, dass nahezu jeder männliche Kontakt sofort romantisch aufgeladen wird. Dadurch verliert die Geschichte weiter an Bodenhaftung, und meine emotionale Distanz zur Hauptfigur wächst, statt sich zu verringern.

Grundsätzlich schätze ich Romane mit mehreren Handlungsebenen. In „Sonnensegeln“ trägt die zweite Ebene jedoch nichts zur Entwicklung der Hauptgeschichte bei. Ihr Ende wirkt konstruiert und steht für mich in keinem Verhältnis zu dem, was zuvor aufgebaut wurde. Hier hatte ich den Eindruck, dass Erwartungen geweckt werden, die sich am Ende nicht einlösen.

Zwar gibt es atmosphärisch schöne Beschreibungen der südfranzösischen Landschaft, doch sie können die erzählerischen Schwächen nicht ausgleichen. Am Ende bleibt ein Roman, der bei mir keinen nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Entsprechend werde ich auch den Folgeband „Mirabellensommer“ nicht zur Hand nehmen.

©2026 Mademoiselle Cake

buchige Daten:

Titel: Sonnensegeln
Text: Marie Matisek
Verlag: Knaur
Ersterscheinung: 2016
Genre: Roman
Medium: eBook
Rezension vom: 26.01.26

Reiheninformation:

2. Mirabellensommer

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