Rezension: Michele Launders - Meine Schuld wird nie vergehen

Klappentext:

Die junge Amerikanerin Michele wird ungewollt schwanger und beschließt trotz großer Skrupel, das Baby zur Adoption freizugeben. Sechs Jahre später erfährt sie durchs Fernsehen von einem kleinen Mädchen, das von seinen Adoptiveltern zu Tode mißhandelt worden ist. Ihr Entsetzen ist grenzenlos, als sich herausstellt, daß dieses Kind ihre Tochter war.

Der erschütternde Bericht einer Mutter, die das Beste gewollt und dadurch unsägliches Leid erfahren hat.

meine Meinung:

Ich wusste, dass „Meine Schuld wird nie vergehen“ von Michele Launders mich treffen würde. Schon im ersten Kapitel spürte ich eine Schwere, die sich festsetzte, weil ich selbst Mutter bin und allein der Gedanke unerträglich ist, das eigene Kind könnte Opfer von Gewalt werden. Diese innere Anspannung zieht sich durch den gesamten Erfahrungsbericht und verdichtet sich Seite für Seite zu einem persönlichen Albtraum, der mich nicht losließ. Die Autorin beschreibt den Weg dorthin sehr genau: die Zeit vor der Schwangerschaft, das Zögern, die Arztbesuche, die Entscheidung zur Adoption und schließlich die Nachricht vom Tod ihres Kindes. Gerade diese unmittelbare, ungefilterte Darstellung verleiht dem Buch seine Intensität.

Beim Lesen wurde mir klar, wie unterschiedlich meine Erwartung an dieses Buch und die Realität darin verliefen. Das Buch ist keine sachliche Aufarbeitung, sondern ein sehr persönliches Zeugnis einer jungen Frau, die im festen Glauben handelte, das Richtige für ihr Kind zu tun. Man versteht ihre Verzweiflung nicht nur, man fühlt sie. Gleichzeitig schwächt die Erzählweise diesen Eindruck stellenweise ab: Bestimmte Situationen und Gefühle kehren immer wieder zurück, bis sie sich erschöpfen. Was das innere Chaos der Autorin widerspiegelt, kostet den Text dennoch an Klarheit und Tempo und nimmt ihm stellenweise die emotionale Spannung.

Irritiert hat mich auch der Umgang von Micheles Mutter mit der Situation. Trotz deutlicher Anzeichen, dass etwas nicht stimmt, bleibt sie auffallend passiv und stellt kaum Fragen. Es fehlt an kritischen Gesprächen zwischen Mutter und Tochter, obwohl gerade diese Nähe und dieses Hinterfragen vielleicht einen anderen Verlauf hätten ermöglichen können. Diese familiäre Sprachlosigkeit wirft die Frage auf, wie viel unreflektiertes Wegsehen zu der Tragödie beigetragen hat.

Trotz dieser Kritikpunkte entfaltet der Bericht eine enorme Wirkung. Man glaubt Michele jedes Wort, man spürt ihre Schuld, ihre innere Zerrissenheit und ihren Schmerz. Diese Gefühle wirken lange nach, auch nachdem das Buch längst geschlossen ist. Besonders die Kraft, mit der sie am Ende versucht, dem Geschehenen einen Sinn abzuringen, bleibt im Gedächtnis - und macht diese Lektüre zu einer schweren, aber eindringlichen Erfahrung.

©2026 Mademoiselle Cake

buchige Daten:

Titel: Meine Schuld wird nie vergehen
Text: Michele Launders
Übersetzung: Dietlind Kaiser
Ersterscheinung: 1991
Genre: Erfahrungen
Rezension vom: 30.01.26

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