Rezension: Mikael Engström - Ihr kriegt mich nicht!
Klappentext:
Die bewegende Geschichte des jungen Mik, der von zu Hause fort muss und doch eigentlich nur eines will: ein normales Leben. Als er es endlich findet, legt man ihm wieder Steine in den Weg. Aber dann beginnt auch für Mik das Glück...
meine Meinung:
Miks Geschichte in „Ihr kriegt mich nicht!“ von Mikael Engström verlangt volle Aufmerksamkeit, weil sie keine leichte Unterhaltung ist und stattdessen harte Realität vermittelt. Zu Beginn war ich irritiert und sogar wütend über Miks Verhalten, vor allem, weil er Gewalt gegen Obdachlose ausübt und mir das zunächst unerklärlich erschien. Erst im weiteren Verlauf wird klar, dass diese Wut tief verwurzelt ist in einem Leben mit einem alkoholkranken Vater und tauben Behörden, die nicht verstehen, was Mik wirklich braucht. Jugendamt und vergleichbare Strukturen im Buch erscheinen meist negativ, fast als Gegenspieler zu Miks Suche nach Zugehörigkeit.
Der Roman beginnt mit Mik in einer extremen familiären Notlage. Seine Mutter ist tot, sein Vater nicht fähig, für ihn zu sorgen, und sein älterer Bruder driftet ins Kriminelle ab. Diese Konstellation erzeugt beim Lesen sofort Mitgefühl, zugleich aber auch Unbehagen über das Ausmaß des Leidens, das der Junge durchlebt. Sentimentale Floskeln gibt es hier nicht.
Als Mik schließlich zu seiner Tante Lena kommt, eröffnet sich ein völlig anderes Leben: geordneter, mit echten Freundschaften und Zugehörigkeitsgefühl. Dieses Zwischenstück bietet den einzigen echten Hoffnungsschimmer im Buch und ist für mich der Grund, warum die Geschichte trotz allem funktioniert. Gerade die Darstellung dieser positiven Momente verleiht dem Roman Tiefe und unterscheidet ihn von bloßem Sozialdrama.
Die erneute Trennung von Lena und die Zuweisung in eine Pflegefamilie bildet den nächsten Wendepunkt. Dort erlebt Mik erneut Ablehnung und Härte, was seine Verzweiflung und seinen Kampfgeist weiter schärft. Die bedrückenden Schilderungen drücken und ziehen runter, machen den Roman schwer verdaulich und lassen kaum Raum für unbeschwerte Lesestunden.
Die dramatische Flucht Miks, in der er buchstäblich alles riskiert, ist ein Höhepunkt, der mich stark mitgenommen hat. Die letzten Kapitel sind emotional extrem belastend, teils sogar verstörend, und weniger ein klassischer Abschluss. Gleichzeitig ist gerade dieses rohe Ende authentisch und tief bewegend. Für mich bleibt es ein zentraler Moment, der zeigt, wie stark Mik sich gegen ein System wehrt, das ihn nicht verstehen will.
Das Buch setzt sich mit harten Themen auseinander: Alkoholsucht, Gewalt, Vernachlässigung und dem Gefühl der Fremdheit in einer Welt, die einem nichts schenkt. Manchmal fühlte ich mich dadurch emotional zerstört, auf der anderen Seite empfand ich gerade darin die literarische Kraft des Romans. Die direkte, schonungslose Sprache finde ich notwendig, aber ich spüre gleichzeitig, wie viel Gewicht das auf einer Lesendenseele hinterlässt.
Zwei Kritikpunkte habe ich dennoch: Gegen Ende taucht mehrfach ein Wort auf, welches im Kontext unnötig und unpassend wirkt und ohne Mehrwert für die Handlung ist. Das fühlt sich wie ein Stilbruch an. Dieser Aspekt steht im Kontrast zu der ansonsten dichten, klaren Erzählweise.
Zudem kommt es zweimal zu sehr erniedrigenden Szenen: Einmal gegenüber Mik, als eine erwachsene Person ihn vor den Mitschüler*innen auf ein Körperteil denunziert. Einmal gegenüber eines Erwachsenen, als dieser vor Schüler*innen beleidigt und bloßgestellt wird.
„Ihr kriegt mich nicht!“ ist kein Lesestoff für nebenbei, sondern ein literarischer Schlag ins Bewusstsein. Die Mischung aus persönlichem Leidensweg und sozialkritischer Schärfe macht das Buch zu einem starken, aber auch schwer verdaulichen Stück Jugendliteratur. Ich persönlich fand es ergreifend und authentisch, andere wiederum könnten Schwierigkeiten haben, die emotionale Schwere zu tragen.
©2026 Mademoiselle Cake
buchige Daten:
Titel: Ihr kriegt mich nicht!
Text: Mikael Engström
Übersetzung: Birgitta Kicherer
Stimme: Titel
Verlag: dtv Reihe Hanser
Ersterscheinung: 2009
Genre: Jugenddrama
Altersempfehlung: ab 12
Medium: eBook
Rezension vom: 03.01.26

0 commenti:
Kommentar veröffentlichen
Freundliche Kommentare sind immer gerne gesehen und werden zeitnah beantwortet.
Ich freue mich über einen regen Austausch.
Mit dem Abschicken deines Kommentars akzeptierst du die Datenschutzbedingungen und erklärst dich damit einverstanden, dass deine Daten entsprechend der Datenschutzbestimmungen der DSGVO gespeichert und weiterverarbeitet werden (z.B. bei Verlosungen).