Rezension: Franziska Thaufelder - Warum Karl immer keine Zeit hat

Klappentext:

Es ist zum Verrücktwerden:
Ständig muss sich Karl beeilen, obwohl er doch gerade noch genug Zeit hatte. Er versteht nicht, wieso das passiert.
Warum fehlt ihm Zeit und wohin ist sie verschwunden?

Schließlich kann er dem Geheimnis der Zeit mit Hilfe seines Opas auf die Spur kommen.

meine Meinung:

Wir hatten große Erwartungen an „Warum Karl immer keine Zeit hat“ von Franziska Thaufelder. Die Hoffnung war ziemlich konkret: Vielleicht finden wir darin eine verständliche Erklärung für dieses ständige Aufschieben, das wir von unserer 8-Jährigen nur zu gut kennen. Ein Buch, das Zusammenhänge nicht nur erzählt, sondern auch greifbar macht, was dahintersteckt.

Schon der erste Eindruck führte jedoch in eine andere Richtung. Das Querformat ließ ein klassisches Bilderbuch erwarten - farbenfroh, zugänglich, auch für jüngere Kinder geeignet. Stattdessen zeigt sich schnell ein anderes Bild: Der Großteil der rund 40 Seiten besteht aus dichtem Text, aufgeteilt in sieben Kapitel. Die Illustrationen sind zwar großformatig, tauchen aber nur am Ende der Abschnitte auf. Dazwischen liegen mehrere Seiten reiner Fließtext. Für Kinder kann das schnell zäh, fast schon abschreckend wirken. Das Format selbst bleibt dadurch irgendwie unbegründet und fühlt sich nicht konsequent durchdacht an.

Eine kompaktere Aufbereitung mit mehr begleitenden Bildern hätte den Zugang deutlich erleichtert. So entsteht ein Ungleichgewicht zwischen Inhalt und visueller Unterstützung, das gerade bei einem Kinderbuch ins Gewicht fällt.

Inhaltlich trägt die Geschichte dennoch. Sie entwickelt ihre Botschaft ruhig und verzichtet auf moralischen Druck. Besonders die Begegnungen mit den verschiedenen Tieren bleiben im Kopf, weil sie unterschiedliche Sichtweisen eröffnen, ohne etwas vorzugeben. Genau dort liegt für uns die Stärke des Buches: Es regt zum Nachdenken an, ohne Antworten aufzuzwingen.

Die Altersempfehlung ab etwa sechs Jahren erscheint grundsätzlich stimmig, allerdings eher im oberen Bereich dieser Spanne. Jüngere Kinder könnten durch die dichte Textstruktur schnell das Interesse verlieren, während ältere durchaus Zugang zur Geschichte finden können. Die Kapitelstruktur hilft dabei, den Lesefluss zu unterbrechen und kleine Etappen zu schaffen - sowohl beim Vorlesen als auch beim Selbsterlesen.

Am Ende bleibt ein gemischter Eindruck. Die inhaltliche Idee überzeugt, die gestalterische Umsetzung bleibt dahinter zurück. Seine Wirkung entfaltet das Buch weniger im Moment des Lesens als in den Gesprächen, die danach entstehen.

©2026 Mademoiselle Cake

buchige Daten:

Titel: Warum Karl immer keine Zeit hat
Text: Franziska Thaufelder
Illustrationen: Isa Fischer
Ersterscheinung: 2025
Genre: Bilderbuch
Altersempfehlung: ab 6
Rezension vom: 26.03.26

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