Rezension: Phoebe Wahl - Ein Küken für Frieda
Klappentext:
Frieda kümmert sich liebevoll um ihre drei kleinen Küken. Dank ihrer Fürsorge wachsen sie schnell zu jungen Hennen heran. Und bald geschieht etwas ganz Besonderes: Eine von ihnen legt ihr erstes Ei!
Doch eines Nachts verschwindet plötzlich eine der Hennen.
Wo ist sie nur? Was ist mit ihr passiert?
Frieda beginnt zu begreifen, dass Abschied dazugehört, wenn man liebt. Und als schließlich ein kleines Küken aus dem Ei schlüpft, versteht sie, dass Verlust und Neubeginn oft ganz nah beieinanderliegen.
Ein einfühlsam erzähltes und einzigartig illustriertes Bilderbuch über den Kreislauf des Lebens und die Hoffnung jedes Neuanfangs
meine Meinung:
„Ein Küken für Frieda“ von Phoebe Wahl hat mich direkt erwischt. Diese leise, fast zärtliche Art zu erzählen wirkt lange nach. Es ist keine Geschichte, die nur unterhält, sondern eine, die auf eine sanfte, kindgerechte Weise konfrontiert. Leben und Sterben stehen hier nicht als Gegensätze nebeneinander, sondern greifen ineinander - ganz selbstverständlich, so wie es in der Natur eben passiert.
Beim Lesen wurde schnell klar, dass dieses Buch mehr auslöst als einen kurzen schönen Moment. Es öffnet Gespräche. Bei uns ging es bald nicht mehr nur um die Tatsache, dass Tiere andere Tiere fressen, um zu überleben, sondern um größere Zusammenhänge. Auch wir Menschen essen Tiere - nur geschieht das in unserer Welt versteckter, distanzierter. Im Gegensatz dazu zeigt die Geschichte diesen Vorgang unmittelbar. Dieser Unterschied hat unsere Gespräche spürbar vertieft. Es fühlte sich richtig an, diesen Gedanken Raum zu geben, statt sie auszuklammern.
Was besonders hängen bleibt, ist diese stille Achtung vor allem Lebendigen. Nichts wird beschönigt, aber auch nichts unnötig dramatisiert. Das Buch traut Kindern und Vorlesenden zu, Traurigkeit wahrzunehmen und auszuhalten. Diese Haltung wirkt konsequent und ehrlich.
Für mich liegt genau in dieser Ehrlichkeit die Stärke. Kinder spüren ohnehin, dass nicht alles glatt und einfach ist - dieses Buch gibt ihnen Worte und Bilder, um das einzuordnen.
Ein Detail, welches dem Ganzen zusätzliche Tiefe verleiht, steht gleich am Anfang: die Danksagung der Autorin an ihre Familie „für die Kindheit in Freilandhaltung“. Dieser Satz wirkt unscheinbar, verändert jedoch den Blick auf die Geschichte. Plötzlich liest man sie nicht mehr nur als Erzählung, sondern auch als Erinnerung, als etwas Erlebtes. Das macht die Atmosphäre greifbarer, echter.
Am Ende bleibt ein schwer greifbares Gefühl zwischen Wärme und Nachdenklichkeit. Genau daraus bezieht das Buch seine Wirkung. Es vermeidet Vereinfachung und lässt Raum für das, was sonst oft ausgespart wird.
©2026 Mademoiselle Cake
buchige Daten:
Titel: Ein Küken für Frieda
Text: Phoebe Wahl
Übersetzung: Milena Schilasky
Illustrationen: Phoebe Wahl
Verlag: Jumbo
Ersterscheinung: 2026
Genre: Bilderbuch
Altersempfehlung: ab 4
Rezension vom: 24.03.26

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