Rezension: Rafik Schami - Der beste Zufall der Welt

Klappentext:

Emilia aus Deutschland und Samia aus Syrien lernen sich zufällig im Supermarkt kennen und sind bald schon beste Freundinnen. Als dann noch Kira aus der Ukraine dazustößt, steht fest: Zu dritt geht alles noch besser! Zum Beispiel, mutige Pläne auszuhecken. Und immer füreinander da zu sein. Was die selbst gestalteten Plakate, die eines Tages in der Nachbarschaft und in der Schule auftauchen, damit zu tun haben? Und ob es deswegen noch Ärger gibt?

Meisterhaft erzählt Rafik Schami eine Geschichte über Freundschaft, Mut und Zusammenhalt und zeigt, dass sich Erwachsene noch so einiges von Kindern abschauen können.

meine Meinung:

Mein erstes Buch von Rafik Schami war "Das Herz der Puppe". Schon damals hatte ich das Gefühl, dass seine Geschichte eher Erwachsene als Achtjährige anspricht.

Auch bei „Der beste Zufall der Welt“ wird schnell deutlich, dass Rafik Schami nicht nur seine jungen Lesenden erreichen möchte. Das zeigt sich bereits im Klappentext: „[...] und zeigt, dass sich Erwachsene noch so einiges von Kindern abschauen können.“

Trotzdem finde ich die Geschichte für die angegebene Zielgruppe sehr gelungen.

Auf einfache und behutsame Weise erzählt Rafik Schami davon, welche Folgen Krieg haben kann und was Flucht für die Betroffenen bedeutet. Dabei wird Kindern nichts Schreckliches vor Augen geführt, das sie überfordern könnte. Vielmehr regt die Geschichte dazu an, Fragen zu stellen und über das eigene Leben hinauszuschauen.

Besonders eindringlich fand ich, wie selbstverständlich Kinder auf andere Kinder zugehen. Da wird einfach nach dem Namen gefragt und wann man Zeit zum Spielen hat. Herkunft, Sprache oder die Frage, warum jemand überhaupt hier ist, spielen zunächst keine Rolle.

Erwachsenen hält Rafik Schami dagegen einen Spiegel vor. Wir sind oft so sehr mit unseren eigenen Problemen beschäftigt, dass wir schnell Gründe finden, warum wir gerade nicht helfen können.

„[...] Wir können nicht allen Armen der Welt Geld geben“, meint die Mutter.
„Nicht allen, aber Samia“, sagt Emilia.

Das ist eine sehr kindliche Überlegung und gleichzeitig erstaunlich vernünftig.

Auch meine 8-Jährige hat sich einen Obdachlosen „ausgesucht“, dem sie ab und zu etwas zu essen geben möchte. Am liebsten würde sie allen Obdachlosen jeden Tag etwas geben. Ich habe ihr erklärt, dass wir das als einzelne Familie nicht stemmen können und wir uns deshalb auf einen Menschen geeinigt haben. Genau solche Situationen haben mich beim Lesen immer wieder an mein eigenes Kind denken lassen.

Auch eine dritte Freundin wird ganz selbstverständlich in den Freundschaftskreis aufgenommen. Mir gefällt das sehr, denn ich sehe immer wieder, wie genau ausgewählt wird, wer mit wem befreundet sein darf. Mein Kind ist da zum Glück sehr offen. Gleichzeitig hat sie selbst schon erlebt, wie es sich anfühlt, ausgegrenzt zu werden.

Krieg und Flucht sind nichts, was man seinem Kind zumuten möchte, und doch gehören sie für viele Kinder zum Alltag. Mein Kind hat damit persönlich keine Berührungspunkte. Umso wichtiger finde ich Bücher wie „Der beste Zufall der Welt“. Sie zeigen ihr eine Lebensrealität, die direkt neben unserer eigenen existiert, auch wenn sie selbst sehr privilegiert aufwächst.

Dass am Ende eine Mutter für alle einsteht, gefällt mir. Es setzt ein schönes Zeichen dafür, dass Verantwortung nicht immer weitergereicht werden muss.

Weniger gut gefällt mir dagegen, dass der Rektor die Schuld auf andere abwälzt, anstatt zu seiner eigenen Verantwortung zu stehen. Gerade weil das Buch Erwachsenen einen Spiegel vorhalten möchte, fand ich diese Reaktion bemerkenswert.

„Der beste Zufall der Welt“ ist für mich deshalb ein Kinderbuch, das weit über eine einfache Freundschaftsgeschichte hinausgeht. Es erzählt von Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft und Offenheit, ohne Kindern dabei eine komplizierte Moralpredigt zu halten. Und vielleicht ist genau das die Botschaft, die auch Erwachsene aus Rafik Schamis Geschichte mitnehmen können.

©2026 Mademoiselle Cake

buchige Daten:

Titel: Der beste Zufall der Welt
Text: Rafik Schami
Illustrationen: Annette Swoboda
Verlag: Hanser
Ersterscheinung: 2026
Genre: Kinderroman
Altersempfehlung: ab 6
Rezension vom: 28.08.26

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