Rezension: Linda de Haan & Stern Nijland - König & König
Klappentext:
Es war einmal ein Kronprinz, der wollte einfach nicht heiraten. Aber das geht natürlich nicht.
Wenn aus einem Kronprinz ein König werden soll, muss er verheiratet sein.
Und so machte sich die alte Königin, die endlich in Pension gehen wollte, auf die Suche nach jemandem, der zu ihrem Sohn passte ...
meine Meinung:
Homosexualität wird in „König & König“ von Linda de Haan und Stern Nijland ganz selbstverständlich dargestellt und überhaupt nicht hinterfragt. Genau das finde ich an dem Bilderbuch schön: Für den Prinzen ist es völlig normal, dass er sich in einen anderen Prinzen verliebt. Es wird daraus kein großes Problem gemacht.
Dennoch gibt es ein paar Dinge, die mir beim Lesen aufgefallen sind und die ich meinem Kind nicht unbedingt als selbstverständlich mit auf den Weg geben möchte. Warum muss der Prinz beispielsweise überhaupt erst heiraten, bevor er König werden kann? Natürlich ist das ein typisches Märchenmotiv und spiegelt gesellschaftliche Erwartungen wider. Trotzdem hatte ich gerade bei einem Buch wie „König & König“ erwartet, dass mit dieser Vorstellung etwas stärker gebrochen wird.
Die Illustrationen von Stern Nijland sind ungewöhnlich und heben sich deutlich von vielen anderen Bilderbüchern ab. Die Collagen sind voller kleiner Elemente, die man teilweise erst beim zweiten oder dritten Anschauen entdeckt. Unser Geschmack sind sie allerdings nicht. Manche Bilder fand ich sogar ein bisschen gruselig. Auch die Szene, in der die Mutter ihren Sohn anschreit, hat mir nicht besonders gefallen. Das ist für mich einfach kein schöner Umgang miteinander.
Die Figuren selbst sind sehr klischeehaft dargestellt. Die singende Prinzessin Aria aus Österreich, die grüne Prinzessin aus Grönland oder die indische Prinzessin mit ihrem extrem dünnen Körper und den überlangen Gliedmaßen wirken auf mich eher wie überzeichnete Vorstellungen von bestimmten Ländern und Menschen als wie eigenständige Figuren. Gerade bei einem Buch, das mit traditionellen Vorstellungen von Liebe und Rollenbildern brechen möchte, finde ich das etwas schade. Dazu kommt, dass die meisten abgebildeten Menschen weiß sind. Mehr Vielfalt hätte hier gut gepasst.
Da man durch den Titel „König & König“ schon sehr genau weiß, worauf die Geschichte hinausläuft, war die Pointe für uns nicht besonders überraschend.
Insgesamt finde ich „König & König“ ein okayes Buch, um mit Kindern über gleichgeschlechtliche Liebe und unterschiedliche Familienbilder zu sprechen. Gleichzeitig bin ich mir gar nicht sicher, wie viel Erklärung es für Kinder in diesem Alter überhaupt braucht. Meine Erfahrung ist, dass sie vieles einfach hinnehmen, ohne es zu hinterfragen. Die Vorurteile kommen häufig erst später - und meistens von Erwachsenen.
Süß fand ich übrigens die Idee, das Buch zur Silberhochzeit noch einmal mit einem silbernen Schriftzug herauszubringen, der sich bei Bewegung in Regenbogenfarben zeigt.
©2026 Mademoiselle Cake
buchige Daten:
Titel: König & König
Text: Linda de Haan
Übersetzung: Edmund Jacoby
Illustrationen: Stern Nijland
Verlag: Gerstenberg
Ersterscheinung: 2001
Genre: Bilderbuch
Altersempfehlung: ab 4
Rezension vom: 01.09.26

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