Rezension: Angela Nanetti - Mein Großvater war ein Kirschbaum

Klappentext:

In der Nacht träumte ich, mit Großvater auf dem Kirschbaum zu sein. Wir waren Trapezkünstler wie im Zirkus. Großvater hing kopfüber am höchsten Ast und ich hielt mich an seinen Armen fest. Großvater schaukelte hin und zurück, immer schneller und dann warf er mich plötzlich in den Himmel. Ich flog mit geöffneten Armen, wie ein Vogel ohne jede Angst, und Großvater lächelte mir von unten zu.

Aus der Sicht, dem Einfühlungsvermögen und der Gefühlswelt des jungen Tonino erzählt Angela Nanetti von seinen außergewöhnlichen Großeltern, über das Leben und den Tod, das Verhältnis der Generationen, die Beziehung zwischen Mensch und Natur, über Lebensfreude und Leid. Es ist ihr gelungen, in sehr poetischer und ungezwungener Weise über den körperlichen und geistigen Verfall des Großvaters zu schreiben, der ein Mensch außerhalb jeder Norm war. Der Kirschbaum wird zu einem Symbol des Weiterlebens.

meine Meinung:

Am Wochenende musste mein Kind einen Text auf Italienisch bearbeiten. Darunter stand, aus welchem Buch der Text stammt. Als ich den Titel gelesen hatte, meinte ich zu ihr, dass wir „Mein Großvater war ein Kirschbaum“ von Angela Nanetti auf Deutsch im Schrank der ungelesenen Bücher stehen haben. Also habe ich es kurzerhand herausgenommen und direkt gelesen.

Die Lektüre ist nicht ganz leicht. Im Laufe der Geschichte sterben beide Großeltern, sodass gleich zwei Verluste verarbeitet werden müssen. Trotzdem wird der Tod nicht dramatisiert, sondern aus der Perspektive des Kindes erzählt. Dadurch bleibt die Geschichte trotz ihrer traurigen Momente warm und tröstlich.

Besonders gelungen fand ich die Beziehung zwischen dem Großvater und seinem Enkel. Angela Nanetti beschreibt sie mit viel Gefühl und macht gleichzeitig deutlich, dass Leben und Tod nebeneinander existieren können. Der Tod bedeutet dabei nicht, dass ein geliebter Mensch einfach verschwindet. Erinnerungen und die gemeinsame Zeit sorgen dafür, dass er im Leben der Hinterbliebenen weiterbesteht.

Der Großvater selbst ist eine lebensfrohe Figur, weshalb die Geschichte nicht durchgehend bedrückend wirkt. Trotzdem gibt es einige Stellen, die zu Herzen gehen und bei jüngeren Kindern sicherlich Fragen oder Gesprächsbedarf auslösen können.

Mir hat „Mein Großvater war ein Kirschbaum“ gut gefallen. Trotzdem ist es für mich keine Lektüre, die man einfach mal so nebenbei liest. Dafür sind die Themen Verlust, Tod und Abschied zu präsent. Gerade deshalb kann ich mir das Buch aber gut als Geschichte vorstellen, über die man anschließend mit einem Kind sprechen kann.

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buchige Daten:

Titel: Mein Großvater war ein Kirschbaum
Text: Angela Nanetti
Übersetzung: Rosemarie Griebel-Kruip
Verlag: Patmos
Ersterscheinung: 2001
Genre: Kinderroman
Altersempfehlung: ab 9
Rezension vom: 05.10.26

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