­čôÜ Jana stellt vor: Die Erw├Ąhlten



Letzte Woche hat euch Jana ein "Sachbuch ├╝ber die franz├Âsische Liebesliteratur" vorgestellt. In Woche 79 unseres Projekts "vergessene Sch├Ątze" stellt sie euch erneut einen ihrer Sch├Ątze vor:
Zusammenfassung:

New York zur Zeit des Zweiten Weltkriegs: ein Baseballspiel zwischen zwei Schulen, Daniel am Schlagmal, Reuven fangbereit gegen├╝ber. Aus dem Spiel wird schnell ein Krieg zwischen zwei Weltanschauungen. „Ich wollte dich umbringen“, wird Danny Reuven sp├Ąter im Krankenhaus gestehen - und damit eine fordernde, aufreibende und lebenslange Freundschaft begr├╝nden.



Janas Meinung:

Die 15-J├Ąhrigen leben nur einige Stra├čen weit auseinander und doch tauchen sie wie Fremde in die Welt des jeweils anderen ein: Dem liberal erzogene Reuven, der sich f├╝r Mathematik und den Krieg in Europa interessiert, sind die Umgangsformen und das gesprochene Jiddisch in der chassidischen Gemeinde unbekannt; Daniel hingegen sehnt sich nach der Freiheit zu lesen, was er m├Âchte und einem so ungezwungenen, liebevollen Umgang wie Reuven ihn mit seinem Vater pflegt. Was die beiden verbindet sind ihre j├╝dische Erziehung und ihr Interesse am Talmud-Studium. Reuven lernt daf├╝r, eines Tages Rabbi zu werden; Daniel lernt, weil er eines Tages Rabbi werden muss.

Pr├Ągend f├╝r das Denken und Handeln beider Jungen sind ihre V├Ąter. Reuvens Vater ist ein j├╝discher Gelehrter, dabei liberal und wissenschaftlichen Neuerungen gegen├╝ber aufgeschlossen. Er publiziert ├╝ber den Talmud und wird gelesen – auch von Daniels Vater, dem Oberhaupt einer chassidischen Gemeinde, der von seinen Anh├Ąngern verehrt wird und in dessen Reich Weltliches keinen Platz hat. Die beiden M├Ąnner achten sich, beide sind auf ihre Art gl├Ąubig und doch wird es ihr Konflikt um die Gr├╝ndung Israels sein, der sie unerbittlich gegen├╝berstehen l├Ąsst und die Freundschaft ihrer S├Âhne auf eine lange Probe stellt.

Chaim Potoks Roman ist ein wahres Fundst├╝ck und wirft den Leser ganz tief hinein in das j├╝dische Leben im New York der 40er Jahre. R├╝ckblicke in die Geschichte inklusive. Hier fallen Namen historischer Personen, deren Existenz – zumindest an mir – bislang spurlos vorbeigegangen war. Manchmal erscheint dieser dichte Mikrokosmos allerdings zu klein, man zweifelt daran, ob sich 18-j├Ąhrige Jungs ├╝ber wirklich nichts anderes unterhalten als ├╝ber das Talmudstudium und ihre V├Ąter. Doch dann erfolgt ein Einschub ├╝ber die Kriegsereignisse in Europa und einem wird versichert: Auch in diesen Stra├čenz├╝gen verliert man das Weltgeschehen nicht aus dem Blick. Was man allerdings v├Âllig aus dem Blick verliert, sind Frauen. Denn die werden in diesem Roman v├Âllig marginalisiert. Namentlich wird eigentlich nur die Haush├Ąlterin erw├Ąhnt. Aber auch das passt zur sehr m├Ąnnlich dominierten Geschichte und Gesellschaft. (Als Gegengewicht unbedingt Deborah Feldmans „Unorthodox“ zur Hand nehmen!).

Chaim Potoks „Die Erw├Ąhlten“ ist ein Werk, das die j├╝dische Gelehrsamkeit feiert und dabei – falls ├╝berhaupt m├Âglich – noch mehr Lust aufs Lesen macht. Der Folgeroman „Das Versprechen“ steht jetzt ganz weit oben auf meiner Wunschliste.

©2016



Meinungen von anderen Lesern:





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- Wandert das Buch direkt auf eure Wunschliste?
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