📚 Jana stellt vor: Wie die Franzosen die Liebe erfanden



Letzte Woche hat euch Jana einen "Roman ĂŒber die Diktatur in Portugal und wie man unversehens hineingezogen werden kann" vorgestellt. In Woche 78 unseres Projekts "vergessene SchĂ€tze" stellt sie euch erneut einen ihrer SchĂ€tze vor:
Klappentext:

Neurotisch, leidenschaftlich, höfisch: Die Franzosen kennen fast so viele Spielarten der Liebe wie KĂ€sesorten. Von den MinnesĂ€ngern bis Dominique Strauss-Kahn: Immer wieder verblĂŒffen sie den Rest der Welt. Wurde die Liebe in Frankreich erfunden? Marilyn Yalom, die große Romanistin und Feministin der ersten Stunde, geht dieser unterhaltsamen Frage anhand berĂŒhmter Meisterwerke der Literatur nach – offenherzig, fundiert und mit viel Humor. Nicht umsonst sind Wörter wie Rendezvous, TĂȘte-Ă -TĂȘte, MĂ©nage-Ă -trois, Amour fou ĂŒberall auf der Welt ein Begriff. Von der raffiniert-bösartigen Erotik der GefĂ€hrlichen Liebschaften bis zur berechnenden Sinnlichkeit einer Madame Bovary, von der offenen Ehe zwischen Sartre und Beauvoir bis zum exotischen Liebhaber der Marguerite Duras – am Ende steht immer die uralte Frage: Was macht die Liebeaus? Trieb oder GefĂŒhl? Seele oder Intellekt? FĂŒr Kenner der Literatur ist dieses Buch ein Fest, bei dem man alte Freunde unter neuen Vorzeichen wiedertrifft. Alle anderen werden große Lust aufs Lesen bekommen.



Janas Meinung:

In ihrem neuen Werk „Wie die Franzosen die Liebe erfanden“ nimmt uns die Historikerin Marilyn Yalom mit auf einen Streifzug durch die französische Literaturgeschichte. Angefangen beim Minnesang erzĂ€hlt sie von Abaelard und Heloise, dem französischen Pendant zu Romeo und Julia, ritterlichen LiebesschwĂŒren, ĂŒber die komische Liebe wie sie sich bei MoliĂšre findet. Von hemmungslosen VerfĂŒhrern ĂŒber romantische Schriftstellerinnen, Liebe am Königshof und zu Zeiten der Französischen Revolution bis zur existenzialistischen Liebe Sartres und de Beauvoirs, werden hetero- und homosexuelle GefĂŒhlswelten beleuchtet. Versehen mit Zitaten aus bekannten und weniger bekannten Werken gelangt sie so bis ins 21. Jahrhundert und zeichnet den Weg und Wandel der Liebe ĂŒber die letzten neunhundert Jahre hinweg nach.

Marilyn Yalom liefert mit „Wie die Franzosen die Liebe erfanden“ einen unterhaltsamen, kurzweiligen, aber auch lehrreichen Gang durch die großen Werke der französischen Literatur und kommt an kaum einem der berĂŒhmten Schriftsteller (und Schriftstellerinnen) vorbei, denn ĂŒber das universelle Thema Liebe, das zu allen Zeiten in all seinen Spielarten immer wieder die wichtigste Rolle in der Literatur einnimmt, hat sich fast jeder von ihnen geĂ€ußert. Yalom schreibt ĂŒber die persönlichen HintergrĂŒnde historischer Figuren, das abenteuerliche Leben vieler Könige und ihrer MĂ€tressen, aber ebenso ĂŒber Frauen, die sich ihren Liebschaften mit so großer Leidenschaft widmeten, dass sie gerade dafĂŒr, fĂŒr ihre anrĂŒhrenden Briefe und TagebĂŒcher, in Erinnerung geblieben sind. Das alles gespickt mit Zitaten aus den jeweiligen Werken, mit einleitenden Bildern zu jedem der sechszehn Kapitel und eigenen, teilweise Jahrzehnte zurĂŒckliegenden Erfahrungen, macht Yaloms Werk unterhaltsam, nie langatmig und zu einem Ausflug in die Welt der französischen Literatur. Die detailierten Anmerkungen im Anhang machen Lust darauf, sich mit der französischen Literatur zu beschĂ€ftigen. Lediglich im letzten Kapitel entsteht der Eindruck, als erschiene es ihr nicht mehr lohnenswert, sich mit der französischen Literatur der Jetztzeit zu beschĂ€ftigen, denn hier beginnt ein wahrer Galopp durch den französischen Film der letzten Jahrzehnte; Namen wie Godard und Truffaut werden hingeworfen, als gelte es, nach so viel Buch auch noch schnell noch etwas Film mitzunehmen.

Yalom ist Feministin, das kommt an einigen Stellen – nicht zuletzt, weil sie es selbst betont – durch und sorgt, entgegen meiner anfĂ€nglichen Erwartung, dafĂŒr, dass neben den vielen bekannten mĂ€nnlichen Schriftstellern auch viele schreibende Damen ihren Platz in der Geschichte erhalten. Yalom geht dabei immer wieder auf die Rolle der Frau im Spiegel der jeweiligen gesellschaftlichen Strömungen ein und erlĂ€utert ihre Liebschaften so anschaulich, dass der Leser denkt, er sei dabei gewesen und sich an manch einer Stelle wundert, wer da mit wem zusammen war – handelt es sich doch fast durchweg um bekannte Namen. Geradezu aktuell wird Yaloms Werk zum jetzigen Zeitpunkt, zu dem die Presse Interesse am Liebesleben des französischen PrĂ€sidenten Hollande findet, denn die Autorin geht in ihrem Werk darauf ein, wie (außereheliche) Liebschaften in Frankreich Teil der Kultur und auch bei großen StaatsmĂ€nnern nie eine Seltenheit gewesen seien.
Yalom macht keinen Hehl aus ihren literarischen Lieblingen, betreibt dabei aber zu keinem Zeitpunkt Namedropping, sondern weiß zu jedem Literaten, zu jedem Werk eine Anekdote zu erzĂ€hlen. Dieser Plauderton ist es, der „Wie die Franzosen die Liebe erfanden“ zu einem gelungenen Spaziergang durch die französische Literatur macht.

©2014



Meinungen von anderen Lesern:





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Habt ihr das Buch schon gelesen? (hinterlasst doch einen Link zu eurer Rezension und ich verlinke auch euch)
- Empfindet ihr genauso?
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- Wandert das Buch direkt auf eure Wunschliste?
- Liegt es gar schon auf dem SuB?

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