Rezension: Francis Kaiser - Wilmo
Klappentext:
Pia macht sich Sorgen: Mama will ihr nicht mehr vorlesen. Ständig schimpft oder weint sie. Manchmal liegt sie den ganzen Tag im Bett. Ob Pia daran schuld ist? Doch Papa kann Pia und ihre Schwestern beruhigen. Niemand kann etwas für Mamas Gefühle. Sie ist nämlich krank. Und diese Krankheit sitzt oft wie ein kleines Wesen auf Mamas Schulter und ärgert sie. Mama nennt das Wesen Wilmo. Aber was will Wilmo eigentlich von Mama? Und wann geht er endlich wieder weg?
Ein berührendes Buch, das erzählt, wie die Depression eines Elternteils den Familienalltag überschattet - und was Kinder brauchen, um sich dafür nicht verantwortlich zu fühlen.
meine Meinung:
Ich sehe „Wilmo - Ein Bilderbuch über Depression in der Familie“ von Francis Kaiser als einen Versuch, einem Thema, das in vielen Familien präsent ist, ein greifbares Gesicht zu geben. Erzählt wird aus der Perspektive des jüngsten Kindes einer Familie, in der die Mutter an einer Depression erkrankt ist. Genau darin liegt die Stärke des Buches: Es macht sichtbar, was im Alltag oft verschwiegen wird, obwohl Kinder es längst spüren. Vertraute Abläufe brechen weg, Nähe verändert sich, und zurück bleiben Fragen, für die es keine Worte gibt.
Die Geschichte fängt diese kindliche Verunsicherung ein, ohne sie zu beschönigen. Gedanken, die sich viele Kinder machen, werden aufgegriffen und ernst genommen. Mit „Wilmo“ findet die Erkrankung eine bildhafte Gestalt, die erklärbar macht, was sonst diffus und beängstigend bleibt. Depression wird nicht vereinfacht, aber so übersetzt, dass Kinder verstehen können, was passiert - und vor allem, dass sie keine Schuld tragen. Diese Perspektive entlastet und ordnet Gefühle, die sonst namenlos bleiben würden.
Über die eigentliche Erzählung hinaus öffnet das Buch den Blick für das, was Familien konkret brauchen. Umfangreiche Zusatzmaterialien richten sich an Eltern, Angehörige und Fachkräfte und gehen auf die Begleitung unterschiedlicher Altersstufen ein. Dadurch wird „Wilmo“ mehr als ein Bilderbuch: Es wird zu einem Werkzeug, das hilft, Gespräche zu führen und Handlungsspielräume zu erkennen, statt hilflos zu schweigen.
Besonders deutlich wird dabei eine Haltung, die vielen Familien fehlt: Kinder nicht zu vertrösten, nicht zu schützen, indem man ihnen die Wahrheit vorenthält, sondern sie einzubeziehen. Dieses Buch schlägt eine Brücke zwischen kindlicher Wahrnehmung und der oft schwer greifbaren Realität psychischer Erkrankungen - eine Brücke, die längst überfällig ist.
Wer „Wilmo“ liest, bekommt keine distanzierte Fachlektüre, sondern eine emotionale Geschichte, die zeigt, wie leise und gleichzeitig tief Depressionen Familien prägen. Das Buch lädt dazu ein, Scham zu durchbrechen und Sprache zu finden, wo sonst Schweigen herrscht. Enttabuisierung beginnt hier nicht abstrakt, sondern im Alltag, bei den Jüngsten - und bei den Menschen, die Verantwortung für sie tragen.
©2026 Mademoiselle Cake
buchige Daten:
Titel: Wilmo
Untertitel: Ein Bilderbuch über Depression in der Familie
Text: Francis Kaiser
Illustrationen: Francis Kaiser
Verlag: Ernst Reinhardt
Ersterscheinung: 2025
Genre: Kinderfachbuch
Altersempfehlung: ab 4
Medium: eBook
Rezension vom: 24.01.26

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