🚫 abgebrochen! Rezension: Emmanuel Moses - Tanzender Staub im Sonnenlicht
Klappentext:
Wenn der alte Rabbi zur festgesetzten Stunde im Schwimmbecken seine Bahnen zieht, darf kein weibliches Wesen den Garten betreten. So hat es der patriarchalische Großvater des Erzählers verfügt, um den sich das Familienkarussell in der luxuriösen Villa in Tel Aviv dreht. Lange nach seinem Tod tauchen atmosphärische Bilder aus dieser Zeit im Gedächtnis des Enkels auf, Erinnerungen an eine Jugend zwischen Frankreich und Israel, an das erste Buch, den ersten Kuß, den ersten Liebesschmerz.
meine Meinung:
Ich dachte wirklich, „Tanzender Staub im Sonnenlicht“ von Emmanuel Moses wäre eine schnelle Lektüre für zwischendurch. Rund 150 Seiten - das klingt nach einem Buch, das man problemlos an ein oder zwei Abenden durchlesen kann. Genau so bin ich auch hineingegangen: ohne große Erwartungen, aber mit der Hoffnung auf eine ruhige, atmosphärische Erzählung.
Bereits nach etwa 30 Seiten habe ich gemerkt, dass es für mich schwieriger wird als gedacht. Der Einstieg fiel mir erstaunlich schwer. Ich musste mich regelrecht durch die Seiten arbeiten, statt mich von der Handlung tragen zu lassen. Nach ungefähr 50 Seiten habe ich schließlich beschlossen, das Buch abzubrechen. Wenn ich beim Lesen immer wieder abschweife und gedanklich ganz woanders lande, ist das für mich meistens ein klares Zeichen.
Der Hauptgrund war der Schreibstil. Die Geschichte wird aus einer sehr distanzierten Perspektive erzählt. Der Erzähler blickt auf seine eigene Vergangenheit zurück und schildert Erinnerungen an Familie, Kindheit und Jugend zwischen Paris und Israel. Grundsätzlich kann so ein Erinnerungsroman sehr intensiv sein, aber hier fühlte sich vieles eher wie eine lange, nüchterne Rückschau an. Dialoge, die Figuren lebendig machen könnten, spielen kaum eine Rolle. Stattdessen folgt Beobachtung auf Beobachtung, Rückblick auf Rückblick. Für mich entstand dadurch kaum Dynamik.
Auch die Darstellung der Figuren hat mich nicht wirklich überzeugt. Mehrfach hatte ich das Gefühl, dass einige Personen sehr klischeehaft oder von oben herab beschrieben werden. Der Erzähler wirkt stellenweise, als würde er sich selbst als besonders sensibel und intellektuell sehen, während andere Figuren eher abwertend dargestellt werden. Dadurch fiel es mir schwer, eine emotionale Verbindung zum Geschehen aufzubauen.
Der Roman hat sicher eine bildhafte Sprache, gleichzeitig bietet er jedoch nur wenig Handlung und ist stark von persönlichen Rückblicken geprägt. Genau an diesem Punkt habe ich leider den Zugang verloren.
Vielleicht hätte ich mehr Geduld haben müssen. Vielleicht entfaltet sich die Atmosphäre erst später. Aber nach fünfzig Seiten hatte mir das Buch schlicht nichts gegeben. Wenn Lesen sich wie Arbeit anfühlt statt wie ein Eintauchen in eine Geschichte, ziehe ich für mich die Konsequenz und lege das Buch zur Seite. Manchmal passt ein Buch einfach nicht zum eigenen Lesegeschmack - und genau so ging es mir hier.
©2026 Mademoiselle Cake
buchige Daten:
Titel: Tanzender Staub im Sonnenlich
Text: Emmanuel Moses
Übersetzung: Manfred Flügge
Verlag: aufbau
Ersterscheinung: 2000
Genre: Autofiktion
Rezension vom: 05.03.26

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